Europa: Schwieriges Umfeld für europäische Aktien

18. Juli 2006, 16:20
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Ein Kommentar von Christoph Schaubmayr aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die vergangene Woche war geprägt von politischen Ereignissen, von denen sich die meisten negativ auf die Performance an den europäischen Börsen ausgewirkt haben. Die EZB hatte zwar Ende letzter Woche die Leitzinsen unverändert bei 2,75% belassen, eine weitere Erhöhung Anfang August scheint jedoch mehr als wahrscheinlich. Zudem lösten die Anschläge in Mumbai, Anschläge auf Pipelines in Nigeria und die letzten Entwicklungen im Nahen Osten eine große Verunsicherung aus. Gerade die Ereignisse im Nahen Osten könnten den Ölpreis noch weiter in die Höhe treiben.

Zu Wochenbeginn konnten zwar noch die meisten europäischen Märkte eine leicht positive Performance aufweisen, am Ende der Woche kam es aber zu deutlichen Abschlägen. Anfangs profitierten vor allem konservative Werte von Ängsten über eine weitere Zinserhöhung und Rekordölpreisen. Im Lichte dieser ökonomischen Entwicklungen favorisierten Investoren Werte der Pharmabranche oder des Einzelhandels, wo eine Abhängigkeit von konjunkturellen Entwicklungen nicht im gleichen Ausmaße, wie etwa bei Industriewerten, evident ist. Von einer Aussage der britischen Regierung, wonach mehr Kernkraftwerke benötigt werden, konnten einige Versorger, wie etwa Brititsh Energy Plc., RWE AG, France SA profitieren.

Zu den großen Verlierern zählte diese Woche der Technologiesektor, der schon das ganze Jahr über zu den schlechtesten Performern zählt. Für diese Entwicklung dürften sowohl die zu geringen Investitionen, als auch die große Konkurrenz, die sich in geringeren Preisen niederschlägt, verantwortlich sein. So musste etwa Philipps zwischenzeitlich einen 3,8% Kursrückgang verbuchen. Auch SAP musste einen deutlichen Kursabschlag hinnehmen, nachdem die Analystenerwartungen bei den Quartalsergebnissen nicht erfüllt worden waren. Alcatel wies den stärksten Kursrückgang seit zwei Monaten auf, nachdem der potentielle Übernahmekandidat Lucent Technologies Inc. weit hinter den Gewinnzielen für das letzte Quartal geblieben war.

Das Gewinnwachstum hat sich in Europa im Vergleich zum letzten Jahr deutlich verlangsamt. So werden die Gewinne heuer im Durchschnitt um 11% steigen, während es im letzten Jahr noch 25% waren. Es ist nicht auszuschließen, dass es noch vermehrt zu negativen Gewinnrevisionen kommen wird. Zu dieser negativen Entwicklung kommt noch der gestiegene Ölpreis und die Zinsängste der EZB, welche höchstwahrscheinlich in einer Zinserhöhung resultieren werden. Im Moment kann als von einem äußerst schwierigen Umfeld für die europäischen Märkte gesprochen werden.

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