Kongress zu Kulturpolitik: Europäischen Schleier der Ignoranz lüften

17. Juli 2006, 09:03
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Experten kritisieren mangelnden interkulturellen Dialog zwischen der Türkei und Europa - Lob für rege kulturelle Szene in der Türkei

Wien - Die türkische Kulturpolitik in Bezug auf die EU-Beitrittsverhandlungen ist am Freitag im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion in der Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst gestanden. Im Rahmen des 4. Internationalen Kongresses zur Kulturpolitikforschung (Iccpr) waren sich die Experten aus der Türkei und Österreich einig, dass der europäische "Schleier der Ignoranz" gelüftet werden müsse. Der interkulturelle Dialog zwischen der Türkei und Europa lässt demnach noch zu wünschen übrig. Viel Lob gab es hingegen für die vibrierende und lebendige Istanbuler Kulturszene.

Es gehe meistens nicht darum, die europäische Kultur mit der türkischen zu kombinieren, meinte die Forscherin Asu Aksoy. Die türkische Seite solle sich vielmehr unterordnen, verwies sie auf den üblichen Verhandlungsstatus. In der Türkei habe sich seit den 80er Jahren jedoch viel verändert, eine rege kulturelle Szene habe sich - vor allem am Bosporus - entwickelt. Die "kulturelle Revolution", die Frankreichs Präsident Jacques Chirac einmal für die Türkei gefordert habe, habe längst stattgefunden, so Aksoy.

Schwierige Zusammenarbeit

Schwierig gestaltet sich nach Expertenmeinung vor allem die Zusammenarbeit zwischen privaten und öffentlichen Kulturinitiativen und der Versuch einer kohärenten, gemeinsamen Kulturpolitik. Bis zum Jahr 2010, wenn Istanbul europäische Kulturhauptstadt ist, sollen sowohl der Reichtum der türkischen Kultur propagiert als auch xenophobe Ressentiments bekämpft werden. Ilber Ortayli vom Topkapi Museum in Istanbul sprach sich für verstärkte Kooperationen mit EU-Ländern und Ländern im Mittleren Westen aus. Derzeit plane man etwa eine gemeinsame Ausstellung mit dem Kunsthistorischen Museum in Wien, so Ortayli. Auch das verhelfe zu gegenseitigem Respekt.

Der Kongress, der erstmals in Wien im Museumsquartier und in der Universität für Musik und darstellende Kunst stattfindet, läuft seit 12. und noch bis 16. Juli. Zirka 400 internationale Experten präsentieren und diskutieren dabei aktuelle Forschungsergebnisse. Organisiert wird die Konferenz erstmals vom Institut für die Vermittlung von Kunst und Wissenschaft (Educult). (APA)

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