Klasse Kubelka

21. Juli 2006, 12:55
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Fotografin und Filmkünstlerin erweitert ihr Institut um eine "Schule für unabhängigen Film"

Wien - 1990 hat Friedl Kubelka ihre "Schule für künstlerische Photographie" gegründet, die ausschließlich den künstlerischen Möglichkeiten des Mediums gewidmet ist. Jetzt will die Fotografin und Filmkünstlerin, die am Freitag (21.7.) ihren 60. Geburtstag feiert, ihr privates Institut in Wien-Margareten um eine "Schule für unabhängigen Film" erweitern. Der erste achtmonatige Lehrgang startet am 28. September.

Hier soll speziell die Arbeit mit dem Material Film als Kunstform gelehrt werden - ein Bereich, der bisher, so Kubelka, in keiner eigenen Schule, sondern allenfalls als Teil einer umfassenderen Ausbildung angeboten wird. Dass hier Bedarf besteht, habe sie unter anderem daran gemerkt, dass sich immer wieder Leute, die eigentlich Filmkünstler werden wollen, an ihrer Fotoschule bewerben, weil der dortige Lehrplan auch kleinere filmische Exkurse vorsieht. Dabei biete Österreich mit seiner international renommierten Avantgardefilm-Szene ideale Voraussetzungen für eine Ausbildung. "Wir sitzen an der Quelle guter Leute, die unterrichten können."

Keine eigene Lehrtätigkeit

Anders als in ihrer Fotoschule will Kubelka an der Filmschule nicht selber unterrichten. Den künstlerischen Unterricht, der in Form von dreitägigen Workshops stattfindet, die einmal im Monat abgehalten werden, betreut jeweils vier Monate lang ein von ihr ausgewählter "Filmmacher". Im technischen Unterricht lernen die Studenten das selbstständige Arbeiten mit Super 8 und 16 Millimeter Film. Zusätzlich laden die beiden Lehrer jeweils zwei junge in Österreich lebende Filmkünstler ein, an einem Abend ihre Arbeiten in der Schule vorzustellen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Lehrplans ist der Besuch des Österreichischen Filmmuseums - insbesondere das von Peter Kubelka kuratierte "Zyklische Programm". "Dort habe ich selbst am meisten über Film gelernt", sagt Friedl Kubelka, "So etwas gibt es in anderen Ländern nicht, weil andere Filmmuseen keine so umfassende Sammlung haben."

Die ersten Lehrenden

Den ersten Jahrgang der Ausbildung leiten zwei amerikanische Filmkünstler, der in Berlin lebende Robert Fenz und der in Paris ansässige Pip Chodorov, der unter anderem auch als Verleiher, Kurator und Herausgeber (Edition Re:Voir) aktiv ist und voriges Jahr in Paris "The Film Gallery" gegründet hat, eine Galerie, die sich ausschließlich auf Filmkunst spezialisiert hat. Als Gastvortragende haben die beiden Lehrer im ersten Jahr Thomas Draschan, Gustav Deutsch, Siegfried A. Fruhauf und Mara Mattuschka ausgewählt.

Der Lehrgang kostet insgesamt 1.600 Euro und steht grundsätzlich allen Alters- und Berufsgruppen ab 19 Jahren offen. Zwölf Bewerber werden aufgenommen. Interessenten müssen sich bis 13. September schriftlich anmelden und ihre Filmarbeiten einreichen, anschließend werden sie zu einem persönlichen Gespräch geladen. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Besuch ist freilich die Leidenschaft für die Sache. "Filmkünstler verdienen besonders wenig. Pro Minute gibt es vom Verleiher zwischen drei und sechs Euro. Ich bin da immer wieder ganz heroischen Haltungen begegnet, hoch intellektuellen Künstlern, die in großer Armut leben", erzählt Kubelka. Darum legt sie Wert darauf, "dass es in der Schule wirklich um etwas geht. Jedes Zusammentreffen ist eine Kostbarkeit." (APA)

Schule für unabhängigen Film, 1050 Wien, Gartengasse 5/II, Informationsabend am 16. September, 19 Uhr
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    Friedl Kubelka

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