Abschalten

16. Juli 2006, 18:30
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Wirklich abschalten, nur nicht ausliefern – das Handy während des Urlaubs nicht als Nabelschnur zur Firma verwenden

Rechtzeitig zum Start der Sommerurlaubssaison kommen die guten Empfehlungen für den Königsweg der Erholung von den Arbeits- und Freizeitberatern gehäuft an.

Brauchen wir Anleitungen zum richtigen Urlauben? In vielen Berufssituationen ist Loslassen wirklich gar nicht so einfach. Bei Selbstständigen ist die Dimension noch einmal eine andere. Und, einmal ehrlich: Wer hat sich nicht schon einiges erspart, gerade weil er aus dem Urlaub heraus ein paar Mails kontrolliert und sein Mobiltelefon empfangsbereit gehalten hat? Grenzen lassen sich auch mit den besten Tipplisten nicht immer so klar ziehen, auch nicht auf dem Weg zum Sandstrand.

Trotzdem: Die Grenzen ständig zu verwischen ist erwiesenermaßen schädlich. Eine große Studie der University of Wisconsin-Milwaukee belegt, dass Menschen, die für Chefs und Kollegen ständig erreichbar sind, nervöser, trauriger, überforderter werden. Die privaten Beziehungen verschlechtern sich.

Befragt wurden für diese Studie fast 700 gut qualifizierte Angestelltenpaare in New York im Abstand von zwei Jahren. Beide Geschlechter litten gleichermaßen unter ihrer permanenten Verfügbarkeit via Handy. Bei den Frauen zeigte sich ein zusätzliches Phänomen: Sie waren nicht nur von Problemen der Arbeit zu Hause beunruhigt, familiäre Sorgen störten sie auch im Job.

Auch wenn der Schritt heraus nicht immer so konsequent sein kann wie erträumt: Ein paar Tage Abschalten sollte man sich streng verordnen. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe 15./16.7.2006)

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    epa photo/pa/chris young
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