Bank-Verkauf läuft

27. Juli 2006, 19:56
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Mit dem Versand der Informations-Unterlagen ist das Schlusskapitel für die "Arbeiterbank" eingeleitet - abzuwarten bleibt noch das EU-Okay für die Bundesgarantie

Wien - Mit dem Versand der ersten Informations-Unterlagen zum Verkauf der skandalgeschüttelten Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K. ist eine weitere Etappe im Verkaufsprozess eröffnet worden. Damit ist das Schlusskapitel für die alte "Arbeiterbank" eingeleitet. In der BAWAG wurde am Freitag zur APA bekräftigt, Morgan Stanley habe mit der Versendung der "Teaser" begonnen. Sie seien dieser Tage an die Interessenten gegangen. Zum umfassenden Interessentenkreis sagt die Bank nach außen nichts. Es wird von mehreren Dutzend, gut 50, angemeldeten Empfängern ausgegangen. Fest steht indes, was nicht erwünscht ist:

Eine Filetierung hat Bank-Boss Ewald Nowotny vor Wochen schon fix ausgeschlossen. Und von einem Verkauf an Erz-Heuschrecken wiederum will die Regierung - die ja mit Garantien in der BAWAG P.S.K. drinsteckt - nichts wissen. Momentan scheinen Ausländer die besseren Karten zu haben.

Absage an Drängler

Erst am Donnerstag hatte der oberste Eigentümervertreter, ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer, Dränglern innerhalb des ÖGB eine Absage erteilt: Er warnte vor einer "Husch-Pfusch"-Aktion und stellte klar, dass ein Verkauf der BAWAG wie bisher geplant erst nach der für Oktober angesetzten Nationalratswahl statt finden wird. Er brauche einen "optimalen Preis", steckte Hundstorfer bei einer Pressekonferenz das Ziel des Verkaufs ab.

Für den Versand der Angebotsunterlagen hat die vom Österreichischen Gewerkschaftsbund als Eigentümer der Bank mit dem Verkauf beauftragte Investmentbank Morgan Stanley "eine lange, sehr interessante Liste mit vielen ausländischen Namen darauf" abzuarbeiten, sagte BAWAG-Chef Ewald Nowotny in der Freitag-Ausgabe des deutschen "Handelsblatt".

Allerdings dürfte sich der Verkauf nicht so einfach gestalten wie erhofft, so das Blatt. Der BAWAG-Chef betonte zwar, dass der Verkaufsprozess "offen" ist, aber inländische Konkurrenten mit einer ähnlichen Ausrichtung - wie etwa die Raiffeisen-Gruppe und die Erste Bank - dürften es aus Kartellgründen schwer haben, zum Zuge zu kommen. Ausländische Kaufinteressenten seien in dieser Hinsicht im Vorteil. Zu ihnen könnte auch die Allianz gehören, die das nie dementiert hat.

Stolperstein

Darüber hinaus gibt es aber für den Verkaufsprozess einen zweiten Stolperstein: Das skandalgeschüttelte Institut kann nur dank eines milliardenschweren Hilfspakets überleben, das der österreichische Staat und Banken/Versicherungen geschnürt haben. Die Hilfe ist jedoch noch nicht von der EU abgesegnet. Eine Entscheidung fällt in Brüssel nicht vor September. Entsprechend lange dürfte sich der Verkaufsprozess hinziehen. "Die Frage der EU-Bewilligung für die Haftung der Republik Österreich wird zu behandeln sein", räumte Nowotny im "Handelsblatt" ein.

Eine Restbeteiligung des ÖGB wird ausgeschlossen, eine Kooperation allerdings nicht, wie Nowotny mehrfach betont hatte. "Ich würde jedem neuen Eigentümer empfehlen, einen Kooperationsvertrag mit dem Österreichischen Gewerkschaftsbund abzuschließen", sagt der BAWAG-Chef. Die Bank erzielt derzeit 7 bis 10 Prozent ihres Einlagen- und Kreditaufkommens durch den Vertrieb ihrer Finanzprodukte über Betriebsräte in Firmen.

Zeitrahmen

Mitte Juni war wie berichtet ein erster Zeitrahmen umrissen worden für den Verkauf der derzeit viertgrößten Bank in Österreich: Demnach könnten die Interessenten ab Mitte August die Bank auf Herz und Nieren prüfen (Due Diligence). Ein Dutzend oder ein paar mehr Interessenten sollen in den Datenraum. Nach diesen mehrwöchigen Prüfungen können unverbindliche Offerte gelegt werden. Die Bestbieter erhalten Einblick in die ganz vertraulichen Bücher. Für Oktober und November sind finale Verkaufsverhandlungen angesetzt. Im Stechen sollen die drei Bestbieter in der Schlussrunde gegeneinander antreten und allenfalls nachbessern. Bis Dezember soll der Sieger des Bieterrennens nominiert sein.

Anfang Mai hatte die Bundesregierung mit Hilfe einer Bundesgarantie den Fortbestand der nach Karibik- und Refco-Milliardenverlusten schwer angeschlagenen Gewerkschaftsbank gesichert. Der BAWAG-Rettungsvereinbarung zwischen Bund, Banken und ÖGB zufolge ist damals rechtsverbindlich abgemacht worden, dass der Gewerkschaftsbund alle seine BAWAG-Anteile jedenfalls bis zum 1. Juli 2007 verkauft haben muss. (APA)

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    Bankchef Ewald Nowotny blickt nun in die Zukunft. Morgan Stanley hat mit der Versendung der Verkaufsunterlagen begonnen.

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