MetOp-Satellit bleibt ein Nesthocker

27. Juli 2006, 20:22
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Nach drei gescheiterten Startversuchen werden Sojus-Rakete und Satellit von Startrampe abgebaut - Start auf unbestimmte Zeit verschoben

Baikonur/Darmstadt - Raumfahrtbegeisterte, die den Start des neuen europäischen Wettersatelliten MetOp-Satelliten im Internet mitverfolgen wollten, müssen ihren Geduldsfaden auf unbestimmte Zeit verlängern: Nach zwei gescheiterten Versuchen am Montag und Dienstag ist die Sojus-Trägerrakete auch am Mittwoch nicht vom russischen Baikonur aus abgehoben. Nur wenige Minuten vor dem geplanten Starttermin wurde der Start abgebrochen. Am Montag hatte es einen Fehler bei der Testsoftware gegeben, am Dienstag Probleme beim Antriebssystem.

Indessen erklärte Eumetsat in einer Presseaussendung am Donnerstag, dass der Start auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Die Sojus-Rakete mit dem Wettersatelliten wurde wieder von der Startrampe abgebaut und der Treibstoff entfernt. Parallel dazu werde ein Plan entwickelt, um einen neuen Starttermin festzulegen. Als Begründung für den Missionsabbruch wurde eine Ursache im Sojus-Bodenunterstützungssystem in Baikonur angeführt. "Das Projekt ist sehr teuer, und es ist besser, strikte Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen", so eine Sprecherin der Betreibergesellschaft.

Aufgaben

MetOp wird in Zukunft in einer Höhe von 837 Kilometer die Erde umkreisen. Er fliegt somit deutlich tiefer als die geostationären Meteosat-Satelliten (36.000 Kilometer) und "sieht" daher wesentlich mehr Details. Der Satellit wird pro Tag 14 Mal über die Pole fliegen und bei jeder Umkreisung einen anderen Teil der Erde beobachten. Bis 2020 soll die MetOp-Serie aus insgesamt drei Satelliten bestehen, die unsere Atmosphäre aus dem All überwachen. Damit können flächendeckend von der ganzen Erde Wetter- und Klimadaten gewonnen werden. Nicht nur die tägliche Wettervorhersage wird davon deutlich profitieren, sondern auch die Klimaforschung.

Mit MetOp können erstmals auch vertikale Profile erstellt werden. Veronika Zwatz-Meise, Leiterin der Prognoseabteilung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG): "Damit wird es möglich ein komplettes dreidimensionales Profil der Atmosphäre zu erstellen."

Zusammenarbeit

Zusätzlich zu den Meteosat-Satelliten ergänzt MetOp auch das System der US-Polarsatelliten. Er markiert den Beginn einer neuen Zusammenarbeit zwischen Europa und der US-Behörde für Ozeanographie und Meteorologie (NOAA): MetOp und ein US-Satellit sollen in sich ergänzenden Umlaufbahnen um die Erde kreisen; während MetOp die Informationen vom Morgen liefert, sendet sein amerikanischer Gegenpart die Daten vom Nachmittag.

Technologie

Der europäische Wettersatellit ist gespickt mit modernsten Geräten, darunter fünf europäischen Entwicklungen. Die acht übrigen Geräte werden von der NOAA und dem französischen Zentrum für Raumfahrtforschung (CNES) gestellt. Sie liefern hoch auflösende Bilder der Erde, messen Geschwindigkeit und Richtung des Windes sowie die Verteilung von Ozon und weiterer Spurengase.

Wichtigstes Messinstrument ist ein Gerät namens Infrared Atmospheric Sounding Interferometre (IASI), das Daten von nie dagewesener Exaktheit über Temperatur und Feuchtigkeit in der Erdatmosphäre liefern und damit die Qualität der Wettervorhersagen verbessern soll. "Wenn wir das IASI-Instrument damals schon gehabt hätten, hätten wir zum Beispiel vorhersagen können, dass der Hurrikan "Floyd" 1993 schwere Schäden in Großbritannien und Frankreich verursachen würde", sagte Eumetsat-Projektleiter Marc Cohen. (red/APA)

Link
Eumetsat (der Link zur geplanten Live-Übertragung des Starts)
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zeichnung des Wettersatelliten MetOp

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