GM, Renault und Nissan prüfen Dreier-Allianz

30. Juli 2006, 17:10
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90 Tage eingeplant - Angstgegner Toyota vor Führung in der Weltrangliste

Detroit (APA/dpa) - Renault-Nissan-Konzernchef Carlos Ghosn und General Motors-Chef Rick Wagoner haben bei einem Treffen in Detroit eine 90-tägige Prüfung der möglichen Vorteile einer industriellen Allianz zwischen den drei Autoriesen vereinbart. Danach solle entschieden werden, ob weitere Untersuchungen des Allianz-Konzepts gerechtfertigt seien. Dies haben die Opel-Mutter General Motors (GM), Nissan und Renault in der Nacht auf Samstag in Detroit bekannt gegeben.

Der Allianz-Vorschlag war vor zwei Wochen von dem US-Multimilliardär Kirk Kerkorian (89) gemacht worden. Kerkorian hält über seine Investmentfirma Tracinda 9,9 Prozent der GM-Aktien und hatte hierfür 1,6 Mrd. Dollar (1,26 Mrd. Euro) investiert. Kerkorian möchte, dass sich Renault und Nissan mit insgesamt 20 Prozent an GM beteiligen und dafür drei Mrd. Dollar einbringen. Kerkorian gehen die Restrukturierungen bei GM nicht schnell genug. Er hatte Ghosn ins Spiel gebracht.

Ghosn machte vor seinem Treffen mit Wagoner klar, dass er weder GM führen noch übernehmen wolle. Er beharrte jedoch auf einer "großen" Beteiligung von Renault und Nissan an dem wegen seines schwachen Nordamerika-Geschäfts schwer angeschlagenen Branchenprimus GM. Zahlen wurden nicht genannt.

Eine Allianz zwischen den drei Autokonzernen könnte bei einer Realisierung die globale Autoindustrie nach Ansicht von Marktkennern von Grund auf verändern. Die drei Autohersteller bringen es gemeinsam auf einen weltweiten Absatz von mehr als 15 Mio. Autos und einen Marktanteil von knapp 25 Prozent sowie auf einen Umsatz von rund 327 Mrd. Dollar.

Toyota vor Führung in der Weltrangliste

Toyota, der Angstgegner aller Autokonzerne, könnte GM möglicherweise bereits 2006 die jahrzehntelange Führung in der Weltrangliste abnehmen. Der japanische Autohersteller Nissan liegt unter den Autoherstellern auf Platz fünf und die französische Renault-Gruppe auf dem zwölften Platz.

Im Gegensatz zum GM-Konzern, der wegen gigantischer Verluste in Nordamerika 2005 insgesamt 10,6 Mrd. Dollar Verlust erlitten hatte, haben Nissan und Renault unter ihrem als "Super-Carlos" weltweit angesehenen Chef Ghosn im vergangenen Jahr Milliardengewinne eingefahren. Ghosn hatte Nissan zuvor erfolgreich saniert. Renault und Nissan halten gegenseitige große Beteiligungen.

GM, Renault und Nissan wollen "bei einer schnellen und vertraulichen Prüfung" kooperieren und dabei die potenziellen Vorteile einer solchen Allianz für jede der Gesellschaften im Auge behalten. "Wir haben heute gute Diskussionen gehabt und blicken nach vorn, um unsere Teams gemeinsam unsere Ideen untersuchen zu lassen", erklärten Wagoner und Ghosn in einer kurzen gemeinsamen Erklärung nach Beendigung des Treffens am Freitagabend.

Eine Dreierallianz könnte nach den Vorstellungen von Ghosn bei der Autoentwicklung, beim Einkauf, in der Produktion und bei der Auslastung frei werdender GM-Werke und -Kapazitäten durch Nissan in Nordamerika möglicherweise Milliardeneinsparungen bringen.

Wagoner hatte sich zu der Prüfung der Allianzvorschläge bereit erklärt. Er insistierte jedoch im Vorfeld des Treffens mit Ghosn, dass sich GM nicht von den eigenen Sanierungsplänen ablenken lassen dürfe. GM will angesichts seiner schlechten Verkaufslage in Nordamerika ein Dutzend Fabriken schließen. GM hatte sich bereits auf Vorruhestands- und Abfindungsprogramme für 35.000amerikanische GM-Bedienstete geeinigt. Die GM-Aktien waren am Freitag um drei Prozent auf 27,47 Dollar gefallen.

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    Zusätzlich zu seiner Verantwortlichkeit bei Renault und Nissan will Renault-Nissan-Boss Carlos Ghosn (Bild) nicht noch ein drittes Unternehmen führen.

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