Samsung leidet unter Preis-Schwindsucht

23. Juli 2006, 16:13
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Eine Mrd. Dollar-Fabrik soll Wafer-Versorgung sichern

Der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung hat in den vergangenen drei Monaten trotz steigender Umsätze deutlich weniger verdient als im Vorjahreszeitraum. Verantwortlich dafür machte das Unternehmen vor allem schrumpfende Margen im Geschäft mit Handys und Flachbildschirmen. Während der Quartalsumsatz um vier Prozent auf 14,11 Bio. Won (11,7 Mrd. Euro) zulegte, gab der Nettogewinn um elf Prozent auf 1,51 Bio. Won (1,25 Mrd. Euro) nach. Für die zweite Jahreshälfte stellte Samsung aber Besserung in Aussicht.

Rückgänge im Handygeschäft

Im Handygeschäft musste Samsung laut Wall Street Journal zum ersten Mal seit drei Jahren wieder Rückgänge hinnehmen. In den vergangenen drei Monaten gingen weltweit 26,3 Mio. Samsung-Handys über die Ladentische und damit knapp drei Mio. weniger als im Vorjahreszeitraum. Für das dritte Quartal rechnet Samsung nun aber mit einem kräftigen Anziehen der Nachfrage vor allem nach 3G-Handys sowie nach Samsungs neuer Produktreihe "Ultra Edition".

Preisverfall auf dem Geschäft mit Flachbild-Fernsehern

Im LCD-Bereich hat Samsung nicht im erhofften Umfang von der Fußball-WM profitieren können. Zudem lastet der Preisverfall auf dem Geschäft mit Flachbild-Fernsehern. Das Chipgeschäft, das im zweiten Quartal den größten Anteil zum Konzernumsatz beigetragen hat, konnte mit einem Umsatzplus von sechs Prozent auf 4,42 Bio. Won (3,7 Mrd. Euro) aufwarten. Der operative Gewinn schrumpfte aber um elf Prozent auf 0,98 Bio. Won (812 Mio. Euro). Die steigende Nachfrage nach speicherintensiven Geräten wie MP3-Playern und Handys soll in den kommenden Monaten die Nachfrage ankurbeln. Auch bei den Preisen für DRAM- und NAND-Chips rechnet Samsung mit einer Erholung.

Zur Sicherung der Versorgung mit 300-mm-Wafern, auf denen Samsung seine Chips fertigt, will der Konzern gemeinsam mit dem deutschen Wafer-Hersteller Siltronic eine Waferfabrik in Singapur bauen. Die Investitionen für das Vorhaben belaufen sich auf eine Mrd. Euro. Mit dem Bau soll bereits im August 2006 gestartet werden, der Produktionsbeginn ist für 2008 geplant. Bis 2010 soll das Joint Venture eine Kapazität von monatlich 300.000 Wafern erreichen. "Samsung wird einen bedeutenden Teil davon abnehmen. Aber Siltronic hat das Recht, einen Teil der Wafer auch an andere Kunden zu verkaufen", erklärt Siltronic-Sprecher Christof Bachmair im Gespräch mit pressetext.

"Dazu müsste man erst einmal wissen, wie hoch die Wafer-Preise im Jahr 2010 sind"

Wie hoch der erwartete Umsatzbeitrag des neuen Werks ausfallen wird, darüber kann Siltronic noch keine Angaben machen. "Dazu müsste man erst einmal wissen, wie hoch die Wafer-Preise im Jahr 2010 sind", so Bachmair mit Verweis auf den volatilen Chipmarkt. Der Absatz scheint jedenfalls gesichert. Siltronic rechnet für das laufende Jahr mit einer Steigerung der Marktnachfrage bei 300-mm-Wafern um 50 Prozent und weiterem substanziellen Wachstum in den kommenden Jahren. Auch in den deutschen Werken baut Siltronic derzeit aus. In Burghausen soll die Kapazität von 75.000 auf 135.000 Wafer monatlich erhöht werden. In Freiberg sollen statt 150.000 Wafer zukünftig monatlich 200.000 Wafer hergestellt werden.(pte=

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