Wann machen Frauen eigentlich Karriere?

31. August 2006, 12:06
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Im "Klub für Frauen" wurde über die Chancen und Risken diskutiert, denen sich Frauen, die nach Top-Jobs streben, gegenübersehen

Wien - Der Klub für Frauen lud im Juli zu einer Podiumsdiskussion zum Thema "40 Jahre - zu fruchtbar oder zu alt? Wann machen Frauen eigentlich Karriere?". Günther Tengel, Geschäftsführender Gesellschafter von Jenewein & Partner / AMROP HEVER Global Executive Search, und Cornelia Jaksche, Coach mit dem Schwerpunkt Personal- und Organisationsentwicklung, diskutierten und der Leitung von Bettina Gneisz-Al-Ani, OMV-Kommunikationschefin und Mitglied des Klub für Frauen, über die Chancen und Risken, denen sich Frauen, die nach Top-Jobs streben, gegenübersehen.

Explizites Ablehnen von Frauen

Mit dem klassischen Vorurteil, dass Frauen für bestimmte Jobs grundsätzlich nicht geeignet sind, sieht sich Tengel in seiner täglichen Praxis nicht konfrontiert. "Eine hidden agenda kann es dennoch geben. Die gilt es im Vorfeld klarzustellen, denn das Ziel sollte es sein, den oder die Passende/n für den jeweiligen Job zu finden - und da spielen persönliche Faktoren eine größere Rolle als die rein fachliche Qualifikation. Dies gilt übrigens für Männer und Frauen gleichermaßen", erläuterte Tengel. Jaksche hingegen erlebt sehr wohl ein explizites Ablehnen von Frauen für bestimmte Positionen, weil es als "Gefahr" eingestuft wird, dass sie Kinder bekommen könnten. Beide ExpertInnen betonten aber, dass sie derartigen Vorurteilen mit Fingerspitzengefühl auf den Grund gehen und meistens einen Turnaround in der Meinung des Klienten/der Klientin erreichen.

Agendapunkt Familienplanung

Jaksche riet jungen Frauen, keinesfalls auf eine eventuelle Familienplanung in der Zukunft bei einem Bewerbungsgespräch einzugehen. "Bei 30- bis 40-jährigen hingegen steht dieser Punkt auf der Agenda". Die Komplexität der relevanten Lebensthemen steige in dieser Lebensphase und führe oft dazu, dass Bewerberinnen verunsichert sind. "Die klare Fokussierung auf all die guten Gründe, die dafür sprechen, dass man für einen bestimmten Job bestens geeignet ist, sollten im Vordergrund stehen", so Jaksche. Das Herumreden um den "heißen Brei" einer eventuellen Familienplanung sei allerdings auch nicht zielführend, konterte Tengel und empfahl, klar Stellung zu beziehen zu den eigenen Prioritäten und Erwartungshaltungen.

Klarheit finden, was frau will

Zentraler Punkt für eine schlechtere Erfolgsquote beim Jobkampf für Frauen ist nach Meinung Jaksches, dass sie sich schlechter verkaufen. Aus ihrer Coachingerfahrung weiß sie, dass sich Frauen oft nicht klar darüber sind, was sie wollen, wo sie selbst stehen, wie sie sich präsentieren und vermarkten sollen. "Männer können hier auf eine längere Sozialisation bei der Selbstvermarktung zurückblicken", analysierte Jaksche mit einem Augenzwinkern.

Ausdifferenzierung des Arbeitsmarktes

Den klassischen Karrierepfad, der die Person in fünf Karriereschritten in der zweiten Hälfte der 40er in eine absolute Top-Position bringe, werde es in Zukunft kaum mehr geben: "Der lineare Karriereweg wird von einem komplexeren, vielschichtigeren abgelöst", so Tengel. Unternehmensgegebenheiten, Bedingungen am Arbeitsmarkt und nicht zuletzt die demographische Entwicklung würden zu einer Neudefinition des Arbeitsbegriffes und des Karrierepfades zwingen. "Das eröffnet insbesondere Frauen größere Möglichkeiten, den jeweiligen Lebensphasen entsprechend, am Ball zu bleiben", ergänzte Jaksche.

Verantwortung der Väter

"Für fünf bis sieben Jahre gänzlich vom Arbeitsmarkt zu verschwinden, macht es allerdings tatsächlich sehr schwierig, wieder beruflichen Anschluss zu finden", so Tengel weiter. Kontakt zu halten und den Fuß in der Tür zu lassen, sind unabdingbare Voraussetzungen für einen erfolgreichen Karriereweg - auch mit Kindern.

"Die Verantwortung der Väter soll und darf hier nicht vergessen werden. Wir haben uns heute aber explizit dem Thema 'Frauen-Kind-Karriere' gewidmet, weil die Fähigkeit Kinder zu bekommen tendenziell am Arbeitsmarkt pönalisiert wird. Daher haben wir den Fokus der Diskussion darauf gelegt", so Bettina Gneisz-Al-Ani abschließend im Namen des Klub für Frauen. (red)

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Der Klub für Frauen ist eine überparteiliche Initiative von Frauen aus den verschiedensten Bereichen - Wirtschaft, Politik, Medien, Kunst und Kultur -, die etwas für Frauen bewegen wollen: in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für Frauenthemen schaffen, die Öffentlichkeit mobilisieren, Lösungen anbieten und als kommunikative Multiplikatoren wirken.
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    Die Verantwortung der Väter als ein Faktor der weiblichen Karriere auch mit Kind dürfe nicht vergessen werden, so der Klub für Frauen.
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