Österreichs Wirtschaft wuchs über Erwartungen

30. Juli 2006, 17:54
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Die österreichische Wirtschaft ist 2005 laut Statistik Austria um zwei Prozent gewachsen - Wifo und IHS hatten mit 1,8 Prozent gerechnet

Wien - Die österreichische Wirtschaft ist im Jahr 2005 nach vorläufigen Daten der Statistik Austria um 2,0 Prozent gewachsen - und damit stärker als die von den Prognoseinstituten Wifo und IHS erwarteten 1,8 Prozent, teilte die Statistik Austria auf Basis von Juli-Daten am Freitag mit. Die Statistik überarbeitet und aktualisiert die Daten laufend. Endgültige Werte für 2005 liegen voraussichtlich erst Ende 2008 vor.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist 2005 zu laufenden Preisen um 9,3 Mrd. Euro bzw. 3,9 Prozent auf rund 245,1 Mrd. Euro angestiegen. Das BIP pro Einwohner lag mit 29.770 Euro um 3,2 Prozent über dem Wert im Jahr davor. Das Bruttonationaleinkommen (BNE) erhöhte sich um 9,6 Mrd. Euro (+4,1 Prozent) und stieg damit etwas stärker als das BIP.

Das durchschnittliche Wachstum der 15 "alten" EU-Mitgliedsländer betrug 1,5 Prozent, jenes der EU-25 (nach der Erweiterung 2004) lag laut Eurostat-Daten vom Juli bei 1,6 Prozent. Die OECD-Länder verzeichneten im Durchschnitt erneut ein deutlich stärkeres Wachstum von 2,7 Prozent.

Kredit- und Versicherungswesen

Auf der Entstehungsseite des BIP verzeichnete das Kredit- und Versicherungswesen das markanteste Wachstum (real +6,9 Prozent). Auch der Wirtschaftsbereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung zeigte ein kräftiges reales Plus von 4,0 Prozent. Die Sachgütererzeugung wies mit einem realen Plus von 2,6 Prozent den deutlichsten Zuwachs im produzierenden Bereich auf, der insgesamt mit einem realen Wachstum von 2,1 Prozent hinter der Entwicklung des Dienstleistungssektors (+2,3 Prozent) zurückblieb.

Auf der Verwendungsseite war erneut ein kräftiges Exportwachstum zu beobachten. Die Exporte von Waren und Dienstleistungen waren mit nominell +9,3 (real +6,4) Prozent die am stärksten gewachsene Position. In der Inlandsnachfrage gab es einen leichten Rückgang der Bruttoinvestitionen (real -0,4 Prozent), die schon 2004 eingesetzte Erholung der Konsumnachfrage (real +1,8 Prozent) setzte sich fort. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte lagen nominell um 3,5 (real +1,7) Prozent über dem Niveau des Jahres 2004. Der öffentliche Konsum (Konsumausgaben des Staates) erhöhte sich nominell um 4,1 (real +1,9) Prozent.

Schwacher Zuwachs bei Bruttoanlageinvestitionen

Der Zuwachs bei Bruttoanlageinvestitionen fiel mit real +0,3 Prozent ähnlich schwach aus wie bereits 2004 (+0,6 Prozent). Die neuerlich eher bescheidene Entwicklung betraf alle Investitionsgüter, wobei bei den Fahrzeuginvestitionen und den Maschineninvestitionen nur ein realer Zuwachs von 0,1 Prozent zu beobachten war. Mit einem realen Wachstum von +0,4 Prozent lagen die Bauinvestitionen nur unwesentlich darüber. Der Wohnbau, der 2004 nach langer Zeit wieder ein leichtes reales Plus von 0,6 Prozent aufweisen konnte, legte 2005 real um 0,1 Prozent zu.

Das verfügbare Nettoeinkommen der Volkswirtschaft zu laufenden Preisen verzeichnete 2005 einen Anstieg von 4,4 Prozent auf 205,5 Mrd. Euro. Das Arbeitnehmerentgelt - die Summe aller Geld- und Sachleistungen von Arbeitgebern an Arbeitnehmer - stieg um 2,9 Prozent, Bruttobetriebsüberschuss und Selbstständigeneinkommen wuchsen mit +5,4 Prozent deutlich stärker.

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität je Beschäftigtem (in Vollzeitäquivalenten) stieg um 0,7 Prozent, je geleisteter Arbeitsstunde betrug der Produktivitätszuwachs 1,2 Prozent. Der "BIP Deflator" (der implizite Preisindex, errechnet aus nominellem und realem Bruttoinlandsprodukt) erhöhte sich um 1,9 Prozent und lag damit unter der Entwicklung der Verbraucherpreise (+2,3 Prozent). (APA)

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