Grundwasser ist Privatsache

von Redaktion  |  26. Juli 2007, 12:27

Wasserverbrauch in Österreich - Industrie versus Endverbraucher und wie ein Land den "klaren Bodenschatz" nutzt - mit Download

Wasser ist das wichtigste Lebensmittel des Menschen und zugleich das kostbarste. Der Mensch besteht zu 70 Prozent aus Wasser. Die Oberfläche des blauen Planeten ist zu 71 Prozent damit bedeckt. Weniger als drei Prozent sind Süßwasser. Und lediglich 0,03 Prozent davon wiederum für uns als Trinkwasser nutzbar.

Trinkwasserverbrauch Nummer eins: Die Toilette

Trotzdem fließt der Löwenanteil unseres Trinkwassers buchstäblich den Bach hinunter. Für Toilettenspülung, Duschen, Baden und Wäschewaschen werden täglich 120 Liter pro Person verbraucht. Bei 150 Litern Gesamtverbrauch pro Kopf und Tag wird nur der geringste Anteil zum Trinken und Kochen genutzt: Laut Wiener Wasserstatistik sind es nur drei Liter täglich.

100.000 Liter für ein Kilo Rindfleisch

Was zu Hause aus der Leitung kommt ist allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein: Der tatsächliche Großnutzer ist die Industrie. Zwei Drittel des Gesamtwasserverbrauchs gehen hierzulande auf ihr Konto. Als Beispiel zum Nachdenken offeriert die EVN Wasser einen Wert aus dem Supermarkt: Bis ein Kilo Rindfleisch beim Endverbraucher landet, werden rund 100.000 Liter verbraucht.

Die Industrie gräbt selbst

"Betriebe mit einem relativ hohen Wasserverbrauch nutzen einfach eigene Brunnen", sagt Astrid Rompold von den Wiener Wasserwerken. Das kommt den Wirtschaftstreibenden wesentlich günstiger. Zusätzlich werde versucht bei industriellen Prozessen das Wasser mehrmals zu nutzen und nicht gleich dem Abwasser zuzuführen - also vermehrt im Kreislauf zu führen.

Hauptverbraucher sind laut Lebensministerium die Eisen - und Stahlindustrie (41,5 Prozent des Gesamtverbrauchs) gefolgt von der Chemischen Industrie (28,5 Prozent) und der Papierindustrie (15,6 Prozent).

Das Geldverdienen

"Grundwasser gehört nicht allen, sondern ist ein Privatgewässer", so die Rechtslage laut Wilfried Schimon. Er ist Sektionsleiter der Wasserabteilung im Lebensministerium (Land -und Forstwirtschaft). Deshalb nutzen Industrien Wasser beinahe kostenfrei. Die wasserrechtliche Bewilligung (Wasserrechtskonsens) genehmigt den Zweck und schreibt die Menge vor. "Damit nicht anderen das Wasser abgetragen wird", betont der Experte.

Vöslauer - eine "Goldquelle"

228,4 Millionen Liter Mineralwasser wurden im Geschäftsjahr 2005 abgesetzt, wobei ein Umsatz von cirka 54 Millionen Euro erwirtschaftet wurde. Die Quelle ist privat und gehört der Vöslauer Wasser AG. Für die Kubikmeter, die gefördert werden, gibt es keine zusätzlichen Abgaben. Denn: "Wasserrecht ist Landessache, Vöslauer hat einen Wasserrechtskonsens von der niederösterreichischen Landesregierung. Es sind nur einmalige Verfahrenskosten für den Wasserrechtskonsens angefallen, es sind jedoch keine laufenden Gebühren oder Abgaben zu leisten", so die Auskunft vom Unternehmen selbst.

Kostbares Wasser

In Sachen wirtschaftliche Wertschätzung und Kostbarkeit wird vor allem beim Endverbraucher angesetzt. In Wien kosten 1000 Liter Wasser Euro 2,99 (Wasser - und Abwasserpreis).

Ein tropfender Wasserhahn verbraucht 36 Liter pro Tag, die leicht rinnende WC Spülung sogar 700 Liter Trinkwasser in 24 Stunden. Das lernen Kinder schon in der Volksschule. Dass die erlernte Sparsamkeit nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, bleibt unseren Kindern hingegen noch erspart.
(nia)

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19 Postings
Spekulant
20.07.2006 23:29

Angenommen, wir sparen alle Wasser bis zum gehtnichtmehr - nur 1 mal pro Woche Duschen, nur Einweggeschirr, Wäsche 5 mal so lange tragen bis wieder in der Waschmaschine,...

Womit soll dann in den Kanälen unsere Sch..... weitergespült werden - reichen die paar Liter aus dem Spülkasten? Aber vielleicht läßt sich da auch noch sparen?

Wäre dann das Wasser in den Leitungen auch noch "frisch" genug um es wohlschmeckend zu trinken?

John Denver
19.07.2006 12:52
Wasser sparen?

Ich hab eine ganz einfache Frage: Das Wasser ist ja in einem natürlichen Kreislauf, sprich geht theoretisch niemals verloren?

Angenommen ich "verschwende" Wasser, auch dieses verdunstet wieder, wird zu Wolken, regnet irgendwann wieder, versickert und kommt wieder ins Grundwasser. Ist somit nichts verschwendet worden?!

Vielleicht denke ich falsch... ich spare eher aus Kostengründen das Wasser, aber was hat es denn wirklich damit auf sich? Danke für die Hilfe!

Nichtmehrwähler
19.07.2006 13:20

Das Wasser, was Du verbrauchst
a) fehlt mal irgendwoanders .. Wien schwimmt ja nur deswegen im Wasser, weils von irgendwo hergepumpt worden ist
b) muss gereinigt werden, also fällt für jeden Tropfen Wasser den Du verbrauchst Reinigungsarbeit an; die kostet natürlich Energie und Energieaufwand in unserer ölsensiblen Zeit ist ohnedies ein kritisches Thema

Alles ist im Kreislauf, auch der Treibstoff, den Du jetzt verbrennst ist jetzt in der Atmosphäre, wird später von Pflanzen aufgenommen, die verwelken, werden gepresst, Kohle, Öl wird im Erdboden erzeugt. Nur dauerts in dem Fall eben ne ganze Weile. Bei Wasser ist der Kreislauf (und damit die Verfügbarkeit) schon um einiges schneller, aber es benötigt doch auch noch seine Zeit.

Baer8
19.07.2006 12:12
verdächtig

Obwohl wir eines der wasserreichsten Länder der Erde sind, wird immer wieder versucht, der Bevölkerung ein schlechtes Gewissen einzureden. Natürlich soll man nicht verschwenderisch mit Trinkwasser umgehen aber ich habe das Gefühl, daß der Staat hier versucht neue Einnahmensquellen auf Kosten der Bürger zu erschließen.

~-~~---
19.07.2006 14:32
Wie war die letzte Meldung?

Der Bodensee ist die letzten 7 Jahre um 90cm zurückgegangen.
Das sind grob gerechnet 250 000 000 Kubikmeter Wasser.
Wenn es noch wärmer wird, gehen die Gletscher zurück, das Land wir trockener (Verdunstung/Quadratkilometer), und wenn es regnet sind es solche Fluten, daß es nicht gespeichert werden kann, abgesehen davon ist das Wasser dann ziemlich schmutzig.
Alle außer den Alpenländern haben dann noch weniger Trinkwasser und auch dieses werden wir verteilen müssen.

medion
19.07.2006 12:01
also das ist ja wohl die ärgste frechheit....

sie werfen den bürgern des landes vor, dass sie zu sorglos mit dem wasser umgehen und gleichzeitig erwähnen sie so nebenbei, das die stahl- chemische- und die papierindustrie 85 % des gesamten trinkwassers abzweigt und zwar kostenlos. dazu kommen dann noch die bauern, und die ganzen kleinbetriebe. d.h. tatsächlich konsumieren die bürger dieses landes - auch bei großzügigsten berechnungen - bestenfalls unter 5 % des gesamtverbrauches. dieser artikel dient lediglich dazu, die privatisierung des wassers voranzutreiben, damit die 5 % an die todln der nation nicht um 3 Euro sondern in zukunft um 30 euro vertscheppert werden können.

ikarus1111
25.07.2006 20:50

Bist du von Geburt an so dumm oder ist da was dazugekommen ?

Corello 
19.07.2006 10:09
ja soll denn die kuh milch statt wasser trinken?

Karla M.
19.07.2006 12:13
100.000 Liter für ein Kilo Rindfleisch

Eine Kuh (ca 500 kg) trinkt dann wohl 50,000,000 Liter Wasser? Irgendwas stimmt da nicht.

ash & stuff 
19.07.2006 14:02
gesamte prozess

transport, verpackung, tierfutter, etc....

Markus Oberhauser 
19.07.2006 09:57
Wieso gehört das Wasser nicht allen?

Wieso gehört das Land nicht allen? Wieso ist der Regen, den ich einfange, tatsächlich dann auch meiner, wenn er von einem anderen Teil des Landes gasförmig aufgestiegen ist? Nennt man das Bereicherung auf Kosten anderer?

Frage über Frage und ich finde es mehr als müßig sich überhaupt Gedanken zu machen, das Wasser zu privatisieren.

"Da gräbt man sich doch selbst das Wasser ab!"

mfg

Explorateur
19.07.2006 08:40
Rechenkünstler bei der EVN

100.000 Liter pro kg Rindfleisch? Jetzt weiß ich welchen Leuten die EVA ihre Tarifkalkulation überlässt. Nur eine kleine Rechnung dazu:
- Fleich Verbrauch in Ö pro Kopf ca. 100 kg pro Jahr
- 8 Mio Österreicher
- ergibt 80 Billionen Liter Wasser nur für Fleischproduktion in Österreich
Mit dieser Menge Wasser könnte man ganz Österreich mit einer Wasserschicht von einem Meter bedecken oder anders ausgedrückt: die gesamte Niederschlagsmenge Österreichs wird nur für die Fleischproduktion aufgebraucht! Liebe EVN-PR-Strategen und liebe Standard-Redakteure: schon mal was von einer Plausibiltätskontrolle gehört?

ayur veda (m.)
19.07.2006 11:39
...die rechnung muss irgendwie anders aussehen...

aus: http://vorort.bund.net/bawue/bun... /flyer.pdf

1 Kilo Freilandtomaten: mehrere hundert Liter
1 Kilo Weizen: 500 bis 900 Liter
1 Kilo mageres Rindfleisch 5´000 - 20´000 Liter
1 PC+Monitor: 33.000 l
1 kg Baumwolle: 7.000 l - 29.000 l
1 Auto: bis zu 200.000 l

Michael Bakunin
19.07.2006 09:28
ein paar kleine Fehler

Du hast ein paar Kleinigkeiten nicht bedacht:

1. nicht alles Fleisch, dass in Ö verbraucht wird, ist Rindfleisch. Der jährliche Rindfleischtverbrauch liegt nicht bei 100, sondern nur bei 20 kg.

2. nicht alles Rindfleisch, dass in Ö verbraucht wird, kommt auch aus Ö. Das heißt, die Niederschlagsmenge für die dazu notwendigen Wassermengen fällt nicht nur in Ö, sondern auch in vielen anderen Ländern (Argentinien zB).

Bei Beachtung dieser Tatsachen schaut die Rechung schon viel plausibler aus. Vielleicht sind die Leute der EVN doch nicht so schlechte Rechner? ;-)

Explorateur
19.07.2006 17:08
so ein obergescheiter

ad 1)
stimmt Rindfleisch liegt bei ca. 20 kg; aber warum sollte der Wasserverbrauch bei der Produktion von anderem Fleisch soviel geringer sein?

ad 2)
In Ö wird mehr Rindfleisch produziert als in Österreich verbraucht wird. Selbstversorgungsgrad ca. 140%. die paar rindviecher aus Argentinien spielen eine sehr kleine rolle.

tut mir leid, dass ich die EVN'ler leider nicht freisprechen kann; Legt man die Formel je kg Fleisch (nicht nur Rindfleisch) 100.000 Liter zugrunde, so wird die gesamte Niederschlagsmenge eines Jahres für die Fleischproduktion benötigt. Womit soll ich dann mein Auto waschen? Lieber zuerst nachrechnen und dann schreiben...

yoghurtinator 
19.07.2006 08:01
Wenig Motivation zum Sparen

gibt auch der Umstand, dass es in den meisten Wohnungen gar keinen separaten Wasserzähler gibt, sprich, die Wasserkosten über die Betriebskosten pauschal für das ganze Haus abgegolten werden und sich somit der tropfende Wasserhahn auf alle Parteien im Haus aufteilt.
Theoretisch könnte somit jemand in seinem Badezimmer eine Miniturbine samt
Generator für den Eigenbedarf betreiben und würde damit - bei den Strompreisen - vermutlich auch noch günstiger fahren damit.

a b1
18.07.2006 21:19
Naja ...

... solange das Wasser so billig ist, werden alle damit sorglos umgehen. Solange den Schaden durch Umweltverschmutzung die lokalen Geschädigten ausbaden müssen, und nicht die würstenden Verbraucher (zB durch einen Aufschlag im Preis), werden alle jeden möglichen Krimbim kaufen, Treibstoff tonnenweise in die Luft pulvern, genauso Nikotin etc. Hier sollte man endlich einmal umdenken und die teilweise ohnehin vorhandenen Steuern (zB beim Tabak) zweckgebunden verwenden sowie die Wasserpreise anheben usw. Aber das interessiert ja wieder keinen unserer hochbezahlten Politiker, in ihrer Blaublütigkeit und Hyperkompetenz sind sie über solche Kleinigkeiten erhaben.

Max Meier
19.07.2006 13:53

Ich denke weiter:

Man könnte die Steuern auf Tabak um 300 % erhöhen.

Bei Alkohol könnte ein 500%-iger Steuersatz eingeführt werden, und gleichzeitig noch eine eigene Alkohol-USt in der Höhe von zB 75 % von Warenwert + Alkoholsteuer.

Was der Staat mit diesen Geldern dann macht, ist mir eigentlich egal, Hauptsache sie sind vorhanden, solange noch ein Budget-Defizit existiert.

Tabak- und Alkoholunternehmen sind mittlerweile sowieso schon privatisiert, sodass man sich mit diesen Steuern durch einen eventuellen Absatzrückgang nicht selbst ins Fleisch schneidet.

Fritz14
18.07.2006 22:06
Originell

Da wird den Politikern vorgeworfen, dass sie Steuern bzw. Abgaben NICHT erhöhen?

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