Graz: Bürgerplattform gegen Asylwerberheim

18. Juli 2006, 09:09
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BZÖ holt Böhmdorfer als Anwalt, der die Asylheimgegner vertritt

Graz – „Wir wollen nicht ins rechte Eck gestellt werden, wir sind einfach nur in Sorge“, beklagt sich Andrea Fennenkötter, eine Anrainerin des neuen Asylwerberheimes der Caritas, das schon vor der Eröffnung für Unmut unter der Bevölkerung sorgte, weil man früher über den Standort im Bezirk Puntigam informiert werden wollte. Nun kritisieren Fennenkötter und ihr Lebensgefährte Werner Stiegler, dass die Bürgerplattform gegen das Flüchtlingsheim, der auch sie angehören, von FPÖ und BZÖ vereinnahmt werde.

"Nicht gegen diese Menschen"

„Wir sind nicht gegen diese Menschen, sondern gegen die Vorgangsweise der Caritas“, erzählt die Krankenschwester und wirft dem Grazer ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl vor, seit Wochen für ihre Initiative unerreichbar zu sein. „Dass man dann zu anderen Mitteln greift, die vielleicht nicht so gut sind, das ist nicht von der Hand zu weisen“ räumt Fennenkötter noch ein. Ein Transparent („Asylantenheim – Nein Danke!“), das man am Zaun eines Hauses, das Werner Stiegler gehört, anbrachte, sei vielleicht so ein Mittel. Aus dem Büro Nagls hieß es gegen über dem Standard dazu: „Es gibt Gespräche mit der Caritas und es wird auch welche mit Anrainern geben. Das Ziel ist Deeskalation.“

Den Obmann der FPÖ Graz, Gerhard Kurzmann, habe man, so Fennenkötter, bei der Demonstration anlässlich des Einzugs der ersten Flüchtlinge sogar „des Platzes verwiesen, denn wir haben mit diesen Parteien nichts zu tun!“ Gerald Grosz, Chef des steirischen BZÖ, das – wie auch die FPÖ – nicht im steirischen Landtag vertreten ist, hinderte das freilich nicht, am selben Tag per Aussendung bekannt zu geben: „Ehemaliger Justizminister Böhmdorfer wird Asylheimgegener rechtsfreundlich vertreten.“ Gefragt, ob da nicht doch eine Parteinähe bestehe, meinte der Sprecher der Bürgerplattform, Heimo Valentintschitsch: „Wir können uns nicht aussuchen, wer an unserer Seite streitet, aber FPÖ und BZÖ sind die Einzigen, die sich für die Sache interessieren“.

Der steirische Caritas-Direktor Franz Küberl bezeichnete das Engagement des BZÖ, das bereits nach einer Woche vom „nachhaltig zerstörten sozialen Frieden im Bezirk“ spricht, als „Wahlarbeit pur“. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Printausgabe, 14.07.2006)

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