Roberto Donadoni folgt Lippi

14. Juli 2006, 14:00
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Ex-AC-Milan-Spieler neuer Teamchef von Weltmeister Italien - Der 42-Jährige trainierte zuletzt Zweitligist Livorno

Rom - Mit Roberto Donadoni tritt ein Leichtgewicht als neuer Nationaltrainer Italiens in die großen Fußstapfen von Weltmeister Marcello Lippi. Anders als seine Vorgänger Lippi und Giovanni Trapattoni hat sich der 42-Jährige nicht mit großen Erfolgen für eines der begehrtesten Ämter im italienischen Fußball empfohlen. Der ehemalige Mittelfeldspieler des AC Milan trainierte bisher nur Provinzklubs. Ein achter Tabellenplatz mit Livorno Calcio im Jahr 2005 war dabei größter Erfolg.

Als Spieler dagegen gehörte Donadoni zu den großen Stars: Mit Milan gewann der Rechtsaußen zwischen 1986 und 1996 fünf Meistertitel und drei Mal die Champions League. Im Trikot der "Azzurri" wurde er 1994 in den USA Vize-Weltmeister. Er bestritt insgesamt 63 Länderspiele und schoss fünf Tore. Zum Abschluss seiner Spielerkarriere bummelte der mittlerweile leicht ergraute Lockenkopf durch die Welt und spielte in New York sowie in den Arabischen Emiraten, bevor ihn Fabio Capello als Betreuer zum AC Milan zurückholte.

Als Trainer gab Donadoni sein Debüt beim Serie C-Club in Lecco, mit dem er 2002 Tabellen-Neunter wurde. Danach trainierte er Livorno Calcio in der zweiten Liga. Sein Gastspiel beim FC Genua war wenig glücklich, nach drei Niederlagen in Folge wurde er 2004 gefeuert. 2005 kehrte er nach Livorno zurück, wo er nach einem Zerwürfnis mit Club-Präsident Aldo Spinelli in diesem Frühjahr das Handtuch warf.

Mit Donadoni setzt Italiens Fußballverband (FIGC) erstmals auf einen relativ unerfahrenen Coach. FIGC-Präsident Guido Rossi wird den aus Bergamo stammenden Trainer am kommenden Dienstag in Rom präsentieren. Donadoni wurde bereits seit Tagen als möglicher Nachfolger für den 58-jährigen Lippi gehandelt. Der hatte die "Squadra Azzurra" 2004 von Trapattoni übernommen und in Deutschland souverän zum vierten Weltmeistertitel geführt. Am Mittwoch hatte der Ex-Trainer von Juventus Turin seinen Abschied von der Nationalelf bekannt gegeben.

Trotz zahlreicher Versuche seiner Spieler, des Verbands und der Medien ließ sich Lippi nicht zu einer Verlängerung seines Vertrag am 15. Juli auslaufenden Vertrags überreden: "Mein Auftrag ist erfüllt", sagte Lippi. Donadonis Auftrag lautet nun: "Europameistertitel 2008".

Der neue italienische Fußball-Teamchef, Roberto Donadoni, ist über die neue Herausforderung, die ihm an der Spitze des Weltmeister-Teams bevorsteht, begeistert. "Das was mein Vorgänger Marcello Lippi geleistet hat, kennt jeder. Jetzt müssen wir seine Arbeit fortsetzen und auf beste Weise voranschreiten. Die Zeit ist knapp und es gibt sehr viel zu tun", so Donadoni im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica" am Freitag.

"Die Verantwortung ist groß"

Der 43-Jährige zeigte sich über den Beschluss des Fußballverbands, ihn mit der Betreuung der "Squadra Azzurra" zu beauftragen, überrascht. "Bis am Montag hat niemand vom Fußballverband mit mir Kontakt aufgenommen. In den Zeitungen hatte ich zwar gelesen, dass ich als Kandidat galt, es gab aber nichts Offizielles. Die Verantwortung ist groß", so Donadoni.

Die Ernennung Donadonis zum neuen WM-Trainer sorgte für unterschiedliche Reaktionen in Italien. "Donadoni ist eine gute Wahl. Er hat sowohl als Spieler, als auch als Trainer viel geleistet. Donadoni wird Lippis Erfolgsweg fortsetzen", kommentierte Gigi Riva, Teammanager der "Azzurri".

Kritisch zeigte sich dagegen der Weltmeister des Jahres 1982, Giancarlo Antonioni. "Donadoni ist zu jung, die Nationalelf braucht einen Trainer mit mehr Erfahrung. Die Wahl Donadonis ist wenig überlegt, man hätte sich mehr Zeit nehmen sollen, bevor man einen derart verantwortungsvollen Auftrag erteilt", so Antonioni, (APA/AFP)

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    Ex-Livorno-Coach Roberto Donadoni.

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