"Wird kaum einen Vierer geben"

19. Juli 2006, 09:06
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Meinungsforscher halten sich derzeit mit Aussagen zurück - Mit Infografik

Wien - Derzeit herrscht unter allen Meinungsforschern Einigkeit, dass die ÖVP derzeit die stärkste Partei ist und die SPÖ mehr oder weniger deutlich dahinter liegt. Aber das sei keine Prognose, sondern eine Bestandsaufnahme vor Beginn des Wahlkampfs, betont etwa Werner Beutelmeyer vom market-Institut im Gespräch mit dem Standard.

Noch sei es auch bloß eine Arbeitshypothese seines Instituts, dass Hans-Peter Martin antreten werde und dabei rund drei Prozent abräumen könnte. Tritt Martin nicht an, so nütze das sowohl der SPÖ als auch der FPÖ, von denen aus heutiger Sicht jeweils rund ein Prozentpunkt zu Martin wandern würde.

Und die ÖVP? Beutelmeyer ist nach den Wahlumfragen aus Deutschland, die im Vorjahr Angela Merkels CDU deutlich zu hoch eingeschätzt hatten, besonders vorsichtig: "Es wird kaum einen Vierer vor dem Ergebnis geben."Die kleineren Parteien würden im Lauf des Wahlkampfs Aufmerksamkeit von der ÖVP abziehen, die derzeit eben als Kanzlerpartei viel fester in der Wahrnehmung der Bevölkerung verankert sei.

Auf Unwägbarkeiten verweist auch Peter Ulram von Fessel-GfK. Tendenziell geht er davon aus, "dass sich Martin die Chance nicht entgehen lassen wird. Dass er noch einmal ins EU-Parlament gewählt würde, ist ja wenig wahrscheinlich."

Auch wenn Fessel seine Wahlumfragen nicht im Detail veröffentlicht, geht Ulram von ähnlichen Größenordnungen für Martin und das BZÖ aus: "Knapp drei Prozent."Das hieße, dass weder die Liste Martins noch Peter Westenthaler ins Parlament käme.

Ulram erinnert bei seiner Einschätzung der Ausgangslage nicht an die deutschen Umfragen, sondern an die steirischen vor der letzten Landtagswahl: "Gerhard Hirschmann hat sich mit einem Potenzial von 20 Prozent sicher überschätzt, aber acht Prozent waren am Anfang realistisch - und zwei hat er bekommen."

Auch bei Fessel liegt die ÖVP signifikant vor der SPÖ, die Bandbreite beträgt laut Kronen Zeitung 39 bis 40 Prozent für die Kanzlerpartei und 35 bis 36 Prozent für die SPÖ. Fessel-Chef Rudolf Bretschneider erklärte im ORF, in den Rohdaten liege die ÖVP nur knapp vor der SPÖ.

Die Zurückhaltung der Meinungsforscher hat auch damit zu tun, dass Wahlergebnisse zunehmend weniger an den Ergebnissen der letzten Wahl und mehr an den jeweils jüngsten Umfragen gemessen werden. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 14. Juli 2006)

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