Lotto, Toto &Co bleiben öffentlich-privates Monopol

7. August 2006, 11:25
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Die Hoffnung auf mehr Wettbewerb bei Lotto, Toto &Co währte nur kurz - ÖVP vereitelte überfallsartige Öffnung des Glücksspielmarktes

Wien - Die Hoffnung auf mehr Wettbewerb bei Lotto, Toto &Co währte nur kurz. 36 Stunden nach Bekanntwerden des Geheimplans, das Glücksspielmonopol im Schlepptau der lang geplanten Reform des Glücksspielgesetzes zu kippen, war das - mutmaßlich - von Finanzminister Karl-Heinz Grasser betriebene Vorhaben vom Tisch. Unterstützt worden war Grasser, der allein das Ansinnen brüsk zurückwies, vom BZÖ und Teilen der ÖVP.

Donnerstagmittag kam aus dem ÖVP-Parlamentsklub offiziell Entwarnung: Elektronisches Glücksspiel bleibt weiterhin Casinos Austria beziehungsweise deren Tochter Österreichische Lotteriengesellschaft vorbehalten. "Das ist vom Tisch", bestätigte ÖVP-Finanzsprecher Günther Stummvoll, es wird nur die geplante Reform des Glücksspielgesetzes beschlossen. Die sei harmlos, sieht sie doch nur die Öffnung der Bundesländer für elektronische Lotterien vor.

Ebenfalls vom Tisch ist damit die Vergabe einer zweiten Lizenz für elektronisches Glücksspiel, die laut Insidern gleich in einem Aufwaschen mit der Abschaffung des Monopols hastig vergeben werden hätte sollen. Beste Chancen, diese zu bekommen, waren dem Automatenhersteller Novomatic nachgesagt worden, der über den Wiener ÖVP-Chef Johannes Hahn beste Kontakte in die Kanzlerpartei verfügt. Mit von der Partie wäre die Telekom Austria gewesen, Internetpartner der Novomatic-Tochter Aon Wettdienstleistung GmbH.

Nicht an Konkurrenz nicht interessiert

Diese Kontakte waren, wie anschaulich vorgeführt, nicht halb so wirksam wie jene der Casinos- und Lotterien-Aktionäre, zu denen (über diverse Stiftungen und Beteiligungsfirmen) Raiffeisen Zentralbank, Erste Bank, Bank Austria Creditanstalt, Bawag P.S.K., die Kirchenbank Schelhammer &Schattera und der ORF gehören. Sie sind nicht nur an Konkurrenz nicht interessiert, sondern spitzen ihrerseits auf jene 25 Prozent, die die Bawag-P.S.K. über die LTB BeteiligungGmbH an der Lotterien hält und das der künftige Käufer der Gewerkschaftsbank tunlichst an Raiffeisen verkaufen möge, wie RZB-Chef Walter Rothensteiner hofft.

Sie alle und die Bawag-Führung können aufatmen: Lotto bekommt keine Konkurrenz, die Lotterien-Eigner müssen ihre Anteile daher auch nicht abwerten. Das hätte allein die Bawag geschätzte 30 bis 50 Millionen Euro an Wert gekostet. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.7.2006)

  • Die Kugel rollte dann doch nicht in Richtung Novomatic. Die 100-Prozent-Tochter Aon Wettdienstleistung GmbH des Gumpoldskirchner Herstellers von Spielautomaten hätte gute Chancen auf die zweite Lizenz für elektronisches Glücksspiel gehabt.
    foto: standard/fischer

    Die Kugel rollte dann doch nicht in Richtung Novomatic. Die 100-Prozent-Tochter Aon Wettdienstleistung GmbH des Gumpoldskirchner Herstellers von Spielautomaten hätte gute Chancen auf die zweite Lizenz für elektronisches Glücksspiel gehabt.

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