Ruth Schonthal 82-jährig gestorben

13. Juli 2006, 18:37
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Deutsch-amerikanische Komponistin

Berlin/New York - Die deutsch-amerikanische Komponistin Ruth Schonthal ist in der Nacht auf Dienstag wenige Tage nach ihrem 82. Geburtstag in ihrem Haus in Scarsdale bei New York gestorben, teilte die Berliner Akademie der Künste am Donnerstag mit. Die Akademie besitzt das Archiv der Komponistin, die erst im Juni ihr letztes Werk beendet hatte.

Das Werkverzeichnis Schonthals, deren Musik weltweite Beachtung findet, umfasst mehr als 100 Musikstücke, unter anderem drei Opern, zahlreiche Orchesterwerke, Ballettmusik und Lieder, darunter den Whitman-Zyklus "By The Roadside" und das Streichquartett "In Memoriam Holocaust".

Von Berlin nach New York

Schonthal wurde am 27. Juni 1924 in Hamburg geboren und trug bis 1946 ihren Geburtsnamen Schönthal. Sie begann im Alter von fünf Jahren zu komponieren und galt im Berlin der dreißiger Jahre als "Wunderkind".

Sie wurde als jüngste Schülerin am Sternschen Konservatorium in Berlin aufgenommen, der zur Weimarer Zeit berühmtesten Musikausbildungsstätte. Mit ihrer Familie floh sie 1939 vor den Nazis über Schweden nach Mexiko und lebte seit 1958 mit ihrem Mann, dem Maler Paul Seckel, und ihren drei Söhnen in der Nähe von New York. Paul Hindemith hatte sie 1946 als seine Schülerin an die Yale University in New Haven.

Musiksprachenvielfalt

In den Kompositionen Schonthals begegneten dem Hörer Musiksprachen aus unterschiedlichen Ländern und Zeiten, betonte die Berliner Akademie in ihrem Nachruf. Europäische Traditionen, die amerikanische Moderne und die mexikanische Folklore hätten die Komponistin in ihrem Schaffen angeregt. Mit den Schrecken des Krieges befasst sich die große Kantate "The Young Dead Soldiers" für Chor und Orchester. 1980 reiste die Komponistin nach 42 Jahren erstmals wieder nach Deutschland, wo der Furore Verlag in Kassel seit 1997 Schonthals Werke verlegt.

Vor sieben Jahren richtete die Berliner Akademie der Künste das "Ruth-Schönthal-Archiv" mit Briefen, Fotos und Dokumenten ein, das 1999 in Anwesenheit der Komponistin eröffnet wurde. Jetzt wird ihrem Wunsch gemäß auch ihr künstlerischer Nachlass dem Archiv in der deutschen Hauptstadt übergeben. (APA/dpa)

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