Putin fordert im Energiebereich Umgang auf Augenhöhe ein

16. Juli 2006, 17:15
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"Zugang zu Bereichen ermöglichen, die für uns wichtig sind"

Berlin - Russlands Präsident Wladimir Putin hat kurz vor dem G-8-Gipfel in Sankt Petersburg eine weitergehende Öffnung des russischen Energiegeschäfts für westliche Investoren ohne entsprechende Gegenleistung abgelehnt. Die vom Westen geforderte Ratifizierung der europäischen Energiecharta durch Russland, die dem Land eine solche Öffnung abverlangen würde, komme nur in Frage, wenn die europäischen Länder "uns den Zugang zu Bereichen ermöglichen, die für uns wichtig sind", sagte Putin in einem ZDF-Interview, dessen Text am Donnerstag im Voraus veröffentlicht wurde.

"Zugang zum wirtschaftlichen Herz"

"Wenn wir irgendwann mal jene Verträge ratifizieren, wenn unsere Partner Zugang zum Herzen unserer Wirtschaft haben, dann möchten wir auch von unseren Partnern Zugang zum Herzen ihrer Wirtschaft bekommen, damit diese Zusammenarbeit gleichberechtigt ist", sagte er. Putin wies zugleich Kritik am Umgang mit Nicht-Regierungsorganisationen sowie an angeblichen Demokratiedefiziten in seinem Land zurück. "Sehr zufrieden" sei er mit der Entwicklung der Beziehungen zu Kanzlerin Angela Merkel (CDU), auch wenn diese sich wiederholt kritisch zu einzelnen Vorgängen in Russland geäußert hatte.

Der dreitägige Gipfel der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrieländer und Russlands (G-8) in St. Petersburg beginnt am Samstag. Russland ist das erste Mal Gastgeber eines solchen Treffens. Ein Schwerpunktthema sollen Fragen der langfristigen Energiesicherung sein.

"... aber auf Augenhöhe"

Putin betonte in der ZDF-Sendung "Berlin Mitte", es gebe mit deutschen Konzernen bereits eine enge Zusammenarbeit im Energiebereich. "Wir sind bereit zur Zusammenarbeit, aber auf Augenhöhe". Russland werde jedoch stellenweise der Zugang zu westlicher Hochtechnologie erschwert.

Den USA warf Putin vor, sich in die energiepolitischen Beziehungen Russlands mit seinen osteuropäischen Nachbarländern einzumischen. So sei die "gesamte Hysterie" über die russischen Lieferunterbrechungen in die Ukraine und um die geplante Ostsee-Pipeline darauf ausgerichtet gewesen, die wirtschaftlichen und politischen Interessen der USA in Europa zu gewährleisten.

US-Präsident Bush sagte in Deutschland zu Lage der Demokratie in Russland, in Gesprächen mit Putin habe er sehr pointiert gefragt, ob es eine freie Presse und eine freie Opposition gebe. (APA/Reuters)

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