Zehn kleine TV-Konfrontationen

14. Juli 2006, 17:00
2 Postings

ORF-Direktor Draxler will wieder Zweiertermine vor Nationalratswahl - Untersuchungs- Kommission befragte TV-Chefredakteur Mück

Gilt weiter das Prinzip jeder gegen jeden bei den TV-Konfrontationen vor der Nationalratswahl? Oder erfüllt der ORF den VP-Wunsch und beschränkt sich auf ein Kanzlerduell, eine Elefantenrunde mit allen Parteichefs plus Themenrunden in "Offen gesagt"?

Bisher verwies der ORF bei solchen Fragen auf den offenen Wahltermin. Stimmte das Volk schon im September über seine Vertretung ab, gingen sich zehn Zweierkonfrontationen nach den (Spät-)"Sommergesprächen" nicht aus. Beim Wahltermin 1. Oktober aber doch – etwa mit drei Terminen pro Woche.

Zweierkonfrontationen plus große Runde

Informationsdirektor Gerhard Draxler drängt nach Informationen des STANDARD auf Zweierkonfrontationen der fünf im Nationalrat vertretenen Parteien plus eine große Runde mit allen. Hans-Peter Martin ist in dem Konzept nicht vorgesehen. Martin sitze ja (noch) nicht im Parlament. Unklar blieb zunächst, ob sich Parteichefs wie schon früher vertreten lassen können. Draxler war unerreichbar.

Mück Stunden befragt

TV-Chefredakteur Werner Mück wollte sich Donnerstag dazu noch nicht äußern. Angesichts massiver Vorwürfe von Mitarbeitern, er habe Nachrichten zugunsten der ÖVP manipuliert, könnte es ihm schwer fallen, Konfrontationen im Sinne der Volkspartei zu verhindern. Fünf Stunden lang befragte die Untersuchungskommission Mück Mittwoch über diese und andere Vorwürfe. Nicht zum letzten Mal.

Drei volle Tage Zeugen

Mit Freitag hörte die Kommission allein diese Woche drei volle Tage Zeugen zu den Vorwürfen. Nächste Woche dürfte sie noch munter weiter Mitarbeiter der TV-Information befragen, ob sie von Mück frauenfeindliche Äußerungen vernommen haben, Drohungen mit Karriereknick, Manipulation der Berichterstattung oder gar Verstöße gegen das Redakteursstatut. So lautet der Auftrag des Stiftungsrats, Ende Juli soll die Kommission ihren Bericht darüber vorlegen.

Lindner muss über Konsequenzen entscheiden

Laut Gutachten des Grazer Arbeitsrechtlers Franz Marholds soll er auch "Bewertungen" der Vorfälle enthalten. Etwaige Konsequenzen muss Generaldirektorin Monika Lindner entscheiden.

Spannend wird die Frage, wann der Stiftungsrat den Mück-Bericht behandelt: In der nächsten regulären Sitzung am 17. August steht schon die Wahl des künftigen ORF-Generals an. Und in der folgenden am 21. September die des übrigen Managements – die VP wünscht sich Mück ja als Infodirektor. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 14.7.2006)

  • Wahlkonfrontation 2002 - mit Haupt, Gusenbauer, Oberhauser, Schüssel, Van Der Bellen.
    foto: standard/cremer

    Wahlkonfrontation 2002 - mit Haupt, Gusenbauer, Oberhauser, Schüssel, Van Der Bellen.

Share if you care.