Die Mächtigen beraten über Ölvorräte und Atomkraft

28. Juli 2006, 10:56
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Das Hauptthema beim Gipfel der G-8-Staatschefs in Petersburg sollte dem Wunsch der Gastgeber gemäß die „Globale Energiesicherheit“ sein

Dramaturgisch einmalig verläuft Russlands G-8-Vorsitz. Der Gaskrieg mit der Ukraine gab Anfang des Jahres das Vorspiel und erinnerte den Westen an seine einseitige Abhängigkeit von russischen Energieträgern. Der erste Höhepunkt kam im April: Gasprom-Chef Alexej Miller drohte eine Umlenkung des Gasexports an, sollte Europa Gasprom nicht expandieren lassen.

Finale am Samstag

Am Samstag startet nun das Finale. Das Hauptthema beim Gipfel der G-8-Staatschefs in Petersburg sollte dem Wunsch der Gastgeber gemäß die „Globale Energiesicherheit“ sein. Aufhorchen ließ der Entwurf der gleichnamigen Petersburger Abschlusserklärung schon am Donnerstag. Im Streit um die künftige Nutzung der Kernenergie hat man sich nämlich auf einen Kompromiss verständigt. In dem Papier, das der Berliner Zeitung vorliegt, heißt es: „Wir erkennen an, dass die Mitgliedstaaten der G-8 verschiedene Wege verfolgen, um eine sichere Energieversorgung und die Ziele des Klimaschutzes zu erreichen.“

Damit nimmt die G-8 Rücksicht auf den innerdeutschen Streit über die Atomkraft, den US-Präsident George Bush mit dem Vorstoß angeheizt hatte, den weltweiten Ausbau der Kernenergie zu forcieren. Innerhalb der G-8 steht Deutschland mit seinem Ausstieg aus der Kernenergie allein da. Die übrigen sprechen sich verstärkt für die Atomkraft aus, was auch im Erklärungsentwurf seine Betonung findet: Dazu passt, dass die USA und Russland nun eine zivile Nuklearkooperation unterzeichnen – im Übrigen wollen die USA heute grünes Licht für einen WTO-Beitritt Russlands geben.

Ausbau erneuerbarer Energien

Weiters ist im Abschlussdokument vom Ausbau erneuerbarer Energien „im großen Stil“ und mehr Effizienz bei der Verbrennung fossiler Energieträger die Rede. Billionen von US-Dollar würden für die Energieversorgung bis 2030 nötig. Bis dahin steige der Energiebedarf um 50 Prozent, wobei 80 Prozent von den begrenzt verfügbaren fossilen Trägern gedeckt werden. Die G-8-Länder erklären sich bereit, diese Mittel zu mobilisieren, berichtete das russische Wirtschaftsblatt Wedomosti unter Berufung auf einen Bericht der Internationalen Energieagentur. Die Länder sollen ihre Märkte für Investitionen öffnen und umfassende Informationen über Ölvorräte vorlegen. Einige G-8-Politiker wollen – in Anlehnung an den Ölsektor – eine Initiative gegen spekulativen Druck auf die Gaspreise. Im Entwurf hat der Westen offenbar auch Russlands Forderung nach langfristigen Abnehmerverträgen und nach Zulassung auf den europäischen Markt im Austausch gegen Energieressourcen zugestimmt.

Die Erklärung habe lediglich deklarativen Charakter, legt die Zeitung Kommersant dar: In der Sache sei man ein-ander nicht näher gekommen. Dem stimmt auch Wladimir Milow vom Institut für Energiepolitik zu: Russlands Bürokraten hätten sich von Anfang gegen die zentrale Diskussion gestellt, wie das globale Missverhältnis bei der Verteilung der Öl- und Gasvorkommen überwunden werden könnte; dafür hätten sie nämlich „über einen Zutritt der Ausländer zu unseren Ressourcen reden müssen“.

Weitere Themen

Vom Zeitplan her wird die Energiediskussion in Petersburg relativ kurz gehalten sein. Neben der Eskalation im Nahen Osten und brisanten Themen wie Iran und Nordkorea stehen Seuchenbekämpfung, Bildung, Produktpiraterie und die Entwicklung Afrikas zur Diskussion. (Eduard Steiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.7.2006)

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    Am Samstag beginnt der Gipfel der G-8-Staatschefs in Petersburg. Im Zentrum der Diskussionen steht die „Globale Energie-sicherheit“. Und der Kreml dürfte grünes Licht für einen Beitritt Russlands bei der Welthandelsorganisation WTO bekommen.

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