Postsparkasse als Sauerstoffzelt

27. Juli 2006, 19:56
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Die Postsparkasse P.S.K. hat zwischen 2001 und 2004 Haftungen für die Bawag übernommen, in der Höhe von mehr als fünf Milliarden Euro

Wien – Je länger die Ausgrabungsarbeiten rund um das Debakel der Gewerkschaftsbank Bawag P.S.K. dauern, desto deutlicher wird, dass die Postsparkasse P.S.K von vitalem Interesse für die Existenz der Bawag gewesen ist. Die Bawag hatte die P.S.K. im Sommer 2000 um 17,6 Mrd. Schilling (rund 1,3 Mrd. Euro) vom Staat gekauft. Beinahe existenzsichernd wurde die P.S.K. für die Bawag im Herbst 2005, als fast die Hälfte der Karibik-Verluste in der Fusionsbilanz beider Häuser "verarbeitet" wurden.

Wie sich nun anhand von P.S.K.-Aufsichtsratsprotokollen ab 2001 nachvollziehen lässt, diente die Postsparkasse aber bereits ab 2001 als so etwas wie ein betriebswirtschaftliches Sauerstoffzelt für die Bawag.

Haftungen umgehängt

Zwischen Oktober 2001 und September 2004 wurden der P.S.K. (damaliger und letzter Generaldirektor war Stephan Koren, letzter Aufsichtsratsvorsitzender Bawag-Chef Johann Zwettler) Haftungen in der Gesamtsumme von bis zu 5,1 Mrd. Euro umgehängt. Der Effekt: De facto wurde so die P.S.K. beschwert, dafür das Eigenkapital der Bawag entlastet und ihr Spielraum für Geschäfte (deren maximale Volumina, etwa bei Großkrediten, sich an der Höhe des Eigenkapitals einer Bank orientieren) vergrößert. "Funktionell wurde damit Eigenkapital in die Bawag geschaufelt", fasst das ein Experte zusammen. Wie das kam, lässt sich am prägnantesten in den Worten eines ehemaligen P.S.K.-Kontrollors ausdrücken: "Die P.S.K. hatte zu viel Geld, die Bawag brauchte welches. Darum hat die P.S.K. laufend Garantien und Haftungen für die Bawag übernommen."

Zur zeitlichen Orientierung: 1998 waren die ersten Karibik-Verluste entstanden, 2000 hatte die Bawag nur noch dank ÖGB-Haftung bilanzieren können, die Karibik-Verluste hatten rund eine Milliarde Euro erreicht (was damals aber nur ein paar Eingeweihte rund um Helmut Elsner, Zwettler, Bawag-Aufsichtsratschef Günter Weninger und ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch wussten).

Gut gepolstert

Tatsächlich war die P.S.K. 2001 eigenkapitalmäßig bestens gepolstert, im Vergleich dazu war die Bawag-Eigenkapitaldecke dünn. Das erste Quartal 2001 lief für die neue Bawag-Tochter noch dazu "sehr erfreulich", wie P.S.K.-Chef Koren laut Protokoll der dringlichen Aufsichtsratssitzung vom 22. Juni 2001 ausführte. Diese "historische Sitzung" (Weninger) diente dazu, jene Abspaltungen und Veräußerungen abzusegnen, die nötig waren, um die neue Bankstruktur auf die Beine zu stellen. Herzstück des Umbaus: die Abspaltung von Treasury und Bankbetrieb aus der P.S.K. in die Bawag.

Laut Korens damaligen Aussagen zur Kapitalausstattung werde "die Bawag nach der Umstrukturierung eine Tier-One-Quote (anrechenbaren Eigenmittel, Anm.) von 10,1 Prozent" und die P.S.K. eine "überdurchschnittliche von rund 40 Prozent" haben, "risikobehaftete Aktiva werden zum großen Teil in die Bawag verbucht". In der Aufsichtsratssitzung vom 24. September 2001 berichtete Koren von anrechenbaren Eigenmitteln von 1,25 Mrd. Euro. Im Oktober 2001 gingen dann die Pläne von Bawag und ihrem Eigentümer ÖGB auf. Bawag-Aufsichtsratschef Weninger hatte schon im Juni 2001 "daran erinnert, dass sich die Eigentümer der Bawag sehr bemüht haben, die PSK durch die Bawag erwerben zu lassen".

Garant P.S.K.

Einer der wesentlichen Gründe dafür (die Entlastung der Bawag) manifestierte sich ab Oktober 2001. Ab damals übernahm die P.S.K. für die Bawag massenhaft zeitlich unbefristete Garantien. Laut bankinternen Dokumenten vom Herbst 2004 "garantiert die P.S.K. die Erfüllung ... aller Forderungen gegen AUA, Lauda Air und Tyrolian Airways bis zu einem Gesamtbetrag von 145,3 Mio. Euro". Im Dezember 2001 übernahm die P.S.K. Haftungen gegenüber Gesellschaften der Bawag-Immobilien- und Leasinggruppe, bis zu einem Betrag von 1,5 Mrd. Euro.

Weitergeschaufelt wurde dann im September 2004: Die P.S.K. lud Garantien für Wertpapiere zweier Bawag-Depots auf ihre starken Schultern, bis zu einem Gesamtbuchwert von 1,2 Mrd. Euro. Im selben Monat akzeptierte die P.S.K. auch Haftungen für Bawag-Forderungen gegenüber einem alten Bekannten: der Refco Group in New York.

Den Haftungsübernahmen waren interne Diskussionen vorausgegangen: Angedacht war ursprünglich die Zahlung einer "Superdividende" der P.S.K. an die Bawag gewesen, Eine Basis dafür hätte es gegeben: Ergebnisabführungs- und Dividendengarantievertrag aus dem Jahr 2001. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.7.2006)

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    Bawag-Ex-Chef und P.S.K.-Aufsichtsrats- präsident Johann Zwettler: Ohne den Kauf der "reichen" Postsparkasse wäre es um den Bewegungsspielraum der Mutter Bawag wesentlich schlechter bestellt gewesen.

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