Disziplinarverfahren gegen Materazzi

13. Juli 2006, 16:20
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FIFA-Kommission schreitet ein

Zürich - Die Disziplinarkommission des Fußball-Weltverbandes FIFA ermittelt gegen den italienischen Teamverteidiger Marco Materazzi. Das Verfahren wurde auf Grund der ersten Aussagen von Zinedine Zidane eröffnet, der im WM-Finale gegen Italien nach einem Kopfstoß gegen Materazzi die Rote Karte gesehen hatte. Zidane hatte am Mittwoch in einem Interview erklärt, seine Aktion sei eine Reaktion auf eine wiederholte Provokation des Italieners gewesen. Materazzi hatte zuvor zugegeben, Zidane beschimpft zu haben.

Die FIFA will die Umstände des Vorfalles im Olympiastadion genau klären. Dazu muss Zidane zunächst bis zum 18. Juli eine Stellungnahme einreichen. Danach wird diese Materazzi zur Kenntnisnahme vorgelegt, ehe der Italiener selbst Stellung beziehen muss. Beide Akteure wurden zudem zu einer Gegenüberstellung vor die Disziplinarkommission für den 20. Juli nach Zürich bestellt.

Unterdessen hat sich der von Zidane per Kopfstoß attackierte Materazzi als Fan des französischen Fußball-Stars geoutet. Zidane sei "sein Held", sagte der Verteidiger in einem Interview der Zeitung "La Gazzetta dello Sport" (Donnerstag-Ausgabe). Zudem sprach Materazzi sich dafür aus, dass dieser die Auszeichnung als bester WM-Spieler behalten darf. "Er war der Beste. Er hat sie für seine Leistungen auf dem Platz bekommen", sagte Materazzi. FIFA-Präsident Joseph Blatter hatte eine Aberkennung der Ehrung Zidanes nicht ausgeschlossen.

Materazzi betonte erneut, er habe Zidanes Ausraster provoziert. Er habe allerdings Zidanes Schwester, nicht aber dessen Mutter beleidigt, wie es der Franzose am Vortag in einem Interview behauptet hatte. Materazzi: "Das, was ich gesagt habe, hatte nichts mit Religion, Politik oder Rassismus zu tun."

Der deutsche Trainer Gernot Rohr hat derweil Verständnis für Zidanes Kopfstoß aufgebracht. Rohr, der vier Jahre lang Zidanes Trainer bei Girondins Bordeaux war, sagte im Hörfunksender "hr-iNFO", der Ausraster sei "eine menschliche Reaktion gewesen" und durch "mehrere Faktoren" verursacht: "Der Stress eines WM-Finales, die Augen der Journalisten, die bei seinem letzten Spiel mehr als sonst auf ihn gerichtet waren, die schmerzhafte Schulter-Verletzung und das Temperament eines Südfranzosen, dem die Familie heilig ist."(APA/dpa)

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