Geographie-Kongress: Landkarten werden dreidimensional

16. Juli 2006, 11:00
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Deutsches Verfahren kommt gänzlich ohne Brillen oder andere Mittel aus - "feinste Mikrolinsen in Form von Prismen"

Wien - Schon in wenigen Jahren könnten etwa Schulen im Geographie-Unterricht anstatt der guten alten Buch-Atlanten dreidimensionale Karten verwenden. Bei der vom Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien organisierten Kartographen-Tagung "Gicon 2006" präsentierte Manfred Buchroithner von der Technischen Universität Dresden (Deutschland) ein Verfahren, das gänzlich ohne Brillen oder andere Mittel auskommt.

Die Folien sind dabei kaum dicker als ein Blatt Qualitätspapier. Erst beim näheren Hinsehen bemerkt man die strukturierte Oberfläche. "Es handelt sich um feinste Mikrolinsen in Form von Prismen", erklärte der aus Graz stammende Wissenschafter bei einer Pressekonferenz in Wien. Auf die Rückseite der High-tech-Folie wird dann das eigentliche Bild aufgedruckt. Es besteht aus bis zu zwölf elektronisch in einander verschachtelten Aufnahmen etwa einer einer Landschaft. Die Prismen sorgen dafür, dass jedes Auge ein leicht unterschiedliches Bild sieht, im Gehirn wird das dann zu einer dreidimensionalen Wahrnehmung verrechnet.

Kippen

Das Bild ist nicht nur dreidimensional, durch kippen können auch etwa Landes- oder sonstige Grenzen oder auch Straßen ein und ausgeblendet werden. An Meeresküsten lassen sie Ebbe- und Flut mit einem Bild betrachten. Auch dabei reicht ein wenig Kippen und schon zieht sich das Meer auf den niedrigeren Stand der Ebbe zurück.

Die Forscher haben bereits einige kommerzielle Aufträge für ihre Innovation an Land gezogen, so kann man etwa in deutschen Nationalparks am Wattenmeer postkartengroße 3-D-Aufnahmen der Naturlandschaft bekommen. Je nach Betrachtungswinkel mit oder ohne Nationalparksgrenzen.

"Hyperglobus"

In Wien arbeiten die Geographen der Uni Wien an der Weiterentwicklung ihres dreidimensionalen Globendisplays. Auf einer etwa 1,5 Meter großen Kunststoffkugel am Institut werden von innen über einen speziellen Beamer verschiedenste Ansichten der Weltkugel abgebildet. Je nach Anforderung haben die Experten für den so genannten "Hyperglobus" verschiedene Programme zur Auswahl. So lassen sich etwa Meeresströmungen, Temperatur- und Wetterabläufe darstellen.

"Mögliche Anwendungen sind etwa die Visualisierung von GPS-bestückten Schiffen, Flugzeugen oder LKW von weltweit tätigen Unternehmen", sagte Wolfgang Kainz vom Institut für Geographie und Regionalforschung. Dabei seien die Darstellungen sogar in Echtzeit und damit eine optimale Kontrolle etwa einer Flotte möglich. (APA)

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    3-D-Technologie hält auch in die Landkartenwelt Einzug.

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