Vier Fragen, vierzig Antworten

21. Juli 2006, 14:51
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Die Trainer der 10 Bundesligisten zur kommenden Saison

In der traditionellen Fußball-Umfrage vor der am Dienstag beginnenden T-Mobile-Bundesliga-Saison 2006/07 wurden den zehn Fußball-Trainern folgende vier Frage gestellt:

1) Wer sind Ihre Titelfavoriten?

2) Wie lauten die Saison-Ziele für Ihren Verein?

3) Welche Erkenntnisse haben Sie aus der WM gezogen und welche wollen sie im Verein verwirklichen?

4) Was muss Österreich in den zwei Jahren bis zur EURO im eigen Land unbedingt unternehmen, um gerüstet zu sein?

FRENKIE SCHINKELS (Double-Gewinner Austria Magna):

  • 1) Red Bull Salzburg ist der absolute Titelfavorit. Die Salzburger haben Top-Spieler geholt, sind wirklich stark und müssen, wir wollen den Titel wieder holen.
  • 2) Wir möchten die Salzburger unbedingt ärgern, unseren Fans weiterhin attraktiven Fußball bieten, um den Titel mitspielen, zum dritten Mal in Serie den Cup gewinnen, das wäre auch schön, und die schwere Tür zur Champions League öffnen. Der Mannschaft muss bewusst werden, dass sie um nichts schlechter ist als jene der vergangenen Saison.
  • 3) Alle Top-Trainer bauten mit einem 4-5-1-System auf die Defensive. Die eine Spitze muss viel mehr laufen, um in den Strafraum, zu Torchancen zu kommen. Der eine Stürmer wird daher aber auch schneller müde. Wir müssen die Schüsse aus der Distanz intensivieren, aber ich möchte immer versuchen, mit zwei oder mehreren Stürmern aufzutreten.
  • 4) Österreich soll nicht nur reden über Länder wie Deutschland, Frankreich oder die Niederlande, sondern auch Taten setzen. Zum Beispiel sollten das Technik-Training intensiviert werden oder gute Trainings-Infrastrukturen für die Vereine geschaffen werden. Wir müssen versuchen, wie die Deutschen eine positive Stimmung und den Geist für diese Veranstaltung zu entwickeln. Und am besten alle Nörgler gleich jetzt zwei Jahre auf Urlaub schicken.

    LOTHAR MATTHÄUS (neu/Red Bull Salzburg/Vizemeister):

  • 1) Natürlich drängen uns alle in die Favoritenrolle. Wir sind auch Favorit, aber die Austria ist Meister und hat noch immer eine gute Mannschaft. Bei den Rapidlern muss man abwarten, wie sie dieses schwache Frühjahr vergessen können.
  • 2) Man muss vorsichtig sein. Brasilien ist auch schon vor der WM als Weltmeister festgestanden. Diesen Fehler dürfen wir nicht machen. Für alle Teams werden die Spiele gegen Salzburg die Spiele des Jahres sein. Jeder will uns schlagen. Das kenne ich von Bayern München. Die Champions League wäre für uns eine große Herausforderung. Wir wollen national und international erfolgreich sein.
  • 3) Gute Teams müssen kompakt als Einheit stehen, Spiele wurden im taktisch-defensiven Bereich gewonnen. Unser Ziel ist es, Wege zu finden, wie man solche Gegner mit unseren Möglichkeiten knackt. Ich erwarte mir von uns offensiven Fußball, denn viele Gegner werden versuchen, sich gegen uns hinten reinzustellen.
  • 4) Die Spieler müssen regelmäßig auf hohem Niveau spielen, um sich weiterentwickeln zu können. Sie müssen immer wieder gefordert werden. Wir sind in Salzburg auf einem guten Weg, diese Voraussetzungen zu schaffen."

    MILAN DJURICIC (neu/FC Superfund Pasching/Dritter):

  • 1) Red Bull Salzburg ist mein Favorit, Austria Magna und Rapid sind die gefährlichsten Konkurrenten.
  • 2) Wenn wir unseren dritten Platz aus der vorigen Saison bestätigen könnten, wäre das ganz toll. Und wenn noch ein bisschen mehr herauskäme, wäre das ein Super-Traum.
  • 3) Die Mannschaften mit der größten Disziplin sind ins WM-Halbfinale gekommen. Die gute Abwehr der Italiener ist ja bekannt, aber ihre Offensive gegen Deutschland war eine Freude. Keine Tore bekommen und den Zuschauern Freude machen, ist das Ziel, aber schwer umzusetzen, das braucht Zeit.
  • 4) Österreich muss diese Chance nützen, alle intensiv für 2008 arbeiten, das Nationalteam und alle Beteiligten müssen für das Ziel EM leben. Die Begeisterung spielt eine große Rolle, der Countdown, das Zählen hat schon begonnen, jeden Tag muss darauf hingewiesen werden. Dann werden wir eine ähnliche Euphorie wie in Deutschland bekommen.

    HELMUT KRAFT (neu/SV Josko Ried/Vierter):

  • 1) Austria, Salzburg und vielleicht mit Abstrichen Rapid. Austria hat durch den Titelgewinn einen Schub erhalten, das letzte Jahr unter Frank Stronach könnte eine zusätzliche Motivation sein. Die Salzburger haben einen guten Kader, müssen aber als Mannschaft noch wachsen, und Rapid möchte sicher das zuletzt mäßige Abschneiden vergessen machen.
  • 2) Wichtig ist jetzt nicht, wo wir nach 36 Runden stehen. Wir haben Teilziele: Wir wollen mit drei Heimspielen einen guten Start haben, an unsere Heimstärke fortsetzen und uns auswärts steigern. Der Sieg gegen Dinamo Tiflis im UI-Cup war ein guter Anfang.
  • 3) Es wird immer wichtiger, als Team aufzutreten. Italien, Frankreich und Deutschland, die ersten Drei der WM, haben alle die gleichen Tugenden gezeigt: Geschlossenheit, Zusammenhalt, interne Ruhe und Steigerung.
  • 4) Sportlich müssen wir trachten, dass unsere guten Fußballer nicht verkümmern. Wir machen bis zur U19 gute Nachwuchsarbeit, aber ab der U21 brechen Talente weg, weil sie sich in einem ungeschützten, rauen Umfeld behaupten müssen. Das schaffen nur die Wenigsten, in anderen Ländern spielen sie nicht in Akademien, sondern in Kampfmannschaften. In der Öffentlichkeit müssen wir eine positive Stimmung verbreiten, alle Hebel in Bewegung setzen. Dabei dürfen wir aber nicht alles den Deutschen nachmachen, sondern regional auf die Mentalität der Menschen achten.

    GEORG ZELLHOFER (Rapid Wien/Fünfter):

  • 1) Austria, Salzburg, Pasching und Rapid. Die Austria verfügt über eine eingespielte Mannschaft und die Salzburger über eine neue Mannschaft. Pasching und wir könnten die Hechte im Karpfenteich sein.
  • 2) Unser Ziel ist das Erreichen eines internationalen Bewerbes, außerdem müssen wir das schlechte Abschneiden im Frühjahr vergessen machen. Das sind wir unseren Fans schuldig.
  • 3) Ich habe nicht viel Neues oder gar Revolutionäres gesehen. Die körperliche Fitness muss stimmen, sonst bis du nicht dabei. Ansonsten heißt es Training, Training, Training - und das in allen Formationen defensiv und offensiv, der Idealfall wäre ein Allround-Spieler.
  • 4) Für mich gab es vor oder zu WM-Beginn keine Euphorie in Deutschland, da wurde mehr auf den Teamchef geschossen. Doch mit dem Sieg gegen Costa Rica wurde der Schalter umgedreht, waren plötzlich die "Klinsmänner" die Größten. Die Frage ist, ob wir das in kleineren Dimensionen so auch rüber bringen, zusammenhalten können wir auch. Und unsere jungen Spieler mit Perspektiven müssen sich noch mehr quälen, sich zwei Jahre kasernieren, schon jetzt ein Kribbeln im Bauch spüren.

    LARS SÖNDERGAARD (Liebherr GAK/Sechster):

  • 1) Wie im Vorjahr Austria und Salzburg, wobei die Wiener eine eingespielte Mannschaft haben und daher höher einzuschätzen sind. Die Salzburger haben viele Neue, die sicher eine Anlaufzeit benötigen werden.
  • 2) Unser Verein befindet sich in einer finanziellen Umstrukturierung, aber wir wollen mit einigen jungen und einigen neuen Spielern trotzdem einen mittleren Tabellenplatz erreichen.
  • 3) Ich habe nicht viel Neues gesehen. Die größte Entwicklung ist in der Schnelligkeit im Spiel erfolgt. Neben dem hohen Tempo hat mich die Kompaktheit der Mannschaften beeindruckt. Die Stabilität ist das Wichtigste, die besten Beispiele waren die Finalisten, die mit Viererkette und zwei defensiven Mittelfeldspielern agiert haben.
  • 4) Deutschland hat verdeutlicht, was Fußball-Euphorie in einem Land bedeutet. Diese positive Stimmung kann viel bewegen, auch innerhalb einer Mannschaft. Wenn die Leute hinter einem stehen, kann ein Spieler über sich hinauswachsen. Und zur Erinnerung: Vor zwei Jahren war Deutschland ja auch noch fast auf dem Boden.

    FRANZ LEDERER (SV Mattersburg/Siebenter und Cup-Finalist):

  • 1) Natürlich Titelverteidiger Austria und Salzburg. Es wird aber keinen Durchmarsch geben, eine enge Sache werden. Für die Wiener spricht das Kollektiv, die Salzburger haben hingegen eine neue Mannschaft und mit dem neuen Trainer auch ein komplett neues System.
  • 2) Unser erklärtes Ziel ist es, die Top-Platzierung aus der vorvergangenen Saison zu wiederholen und zumindest Fünfter zu werden. Priorität hat die Meisterschaft, im Europacup wollen wir so viele Spiele wie möglich bestreiten. Das hängt aber von mehreren Komponenten ab, die alle von uns nicht beeinflussbar sind.
  • 3) Auffallend war, dass viele Spitzenspieler wegen der Extrembelastung der Saison sehr müde wirkten, Taktik und System zu Neutralisation führte und immer mehr auf Fehler der Gegner warten. Man muss mehr Weitschüsse probieren, auch alle nicht nominellen Stürmer Verantwortung übernehmen und den Abschluss suchen.
  • 4) Es müssen wie in Deutschland Fan-Meilen geschaffen werden, es muss die Begeisterung auf die Straße gebracht werden. So werden alle infiziert, auch die Spieler, und der Teamchef darf sich nicht durch Kritiken von seinem Weg abbringen lassen, seine Elf nötigenfalls nur punktuell verändern. Das Team muss eine eingeschworene Truppe sein, die vom Kollektiv, dem Heimvorteil, den Zuschauern, der Euphorie und nicht zuletzt vom Glauben an sich selbst lebt.

    FRANCO FODA (neu/Puntigamer Sturm Graz/Achter):

  • 1) Austria und Salzburg. Die Wiener haben vielleicht den Vorteil, eingespielt zu sein. Die Salzburger verfügen über das wahrscheinlich beste Material, aber sie werden Zeit brauchen.
  • 2) Wir wollen den achten Platz belegen. Das ist keine Bescheidenheit, wir denken realistisch und setzen uns keine unrealistischen Ziele. Wir starten mit einem Minus von drei Punkten und haben wegen der Lizenzauflagen keinen einzigen neuen Spieler verpflichten können.
  • 3) Die Erkenntnis war, das die am besten organisierten und fittesten Mannschaften unter den letzten Vier standen. Auf die Defensive wurde großer Wert gelegt, aber ich bin für die Offensiv-Philosophie. Auffallend war auch das hohe Spieltempo zwischen den Strafräumen und der körperliche Top-Zustand.
  • 4) Generell gibt es viele gute Spieler und Talente, doch diese müssen viel arbeiten, sich immer wieder beweisen und dürfen sich nicht zufrieden geben. Wir Klubtrainer unterstützen Teamchef Josef Hickersberger. Mit der Euphorie, die wir entfachen müssen, und dem Heimvorteil ist einiges möglich.

    FRANTISEK STRAKA (neu/Wacker Tirol/Neunter):

  • 1) Salzburg ist mein Favorit Nummer eins, dann kommen die Wiener Traditionsvereine Austria, Rapid und dahinter Pasching, dann ist alles offen.
  • 2) Unser Ziel ist ein einstelliger Tabellenplatz: Zuletzt waren wir Neunte, doch bin ich überzeugt, dass wir besser abschneiden werden, das Potenzial ist vorhanden.
  • 3) Bei der WM hat mir gefallen, dass nicht nur stur ein System, sondern variabel gespielt wurde. Die Defensive muss stehen, das ist die Voraussetzung. Auch wenn nur eine Sturmspitze aufgestellt wird, spielt jede Mannschaft auch mit offensiven Flügelspielern und offensiven Mittelfeldspielern.
  • 4) Ganz wichtig wird sein, dass Österreich eine schlagkräftige Mannschaft aufbaut. Ich traue Österreich und Schweiz viel zu und sehe in Innsbruck eine schöne Arena entsteht. Deutschland hatte einen Franz Beckenbauer, in Österreich sollten erfahrene Leute wie Prohaska, Krankl oder Polster als EM-Botschafter unbedingt eingebaut werden.

    MICHAEL STREITER (cashpoint SCR Altach/Aufsteiger):

  • 1) Die Austria bleibt für mich Favorit, der Titelgewinn hat ihr viel Selbstvertrauen gegeben. Die Wiener haben noch immer einen tollen Kader, während die Salzburger noch keine eingespielte Mannschaft haben.
  • 2) Wir wollen uns in der obersten Liga im ersten Jahr etablieren und uns in der zweiten Saison weiterentwickeln.
  • 3) Die Kompaktheit muss erhöht, die Räume noch besser abgesichert werden werden. Es muss ein Rad ins andere greifen, dann wird man auch in der Defensive gut stehen.
  • 4) Wie zuletzt die Deutschen müssen wir ein Wir-Gefühl, eine Euphorie entwickeln, dem Team etwas zutrauen, auf dem Platz Leidenschaft zeigen und die Fans im Rücken haben. Alle Beteiligten müssen positiv Denken.
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