Demonstrativer Schulterschluss

13. Juli 2006, 19:27
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US-Präsident: "Stehen Seite an Seite" - Gespräche über Nahost und den Iran

Stralsund - Der amerikanische Präsident George W. Bush und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel haben im norddeutschen Stralsund demonstrativ einen engen Schulterschluss zwischen den USA und Deutschland bekräftigt. "Wir können zusammen so viel erreichen, wenn Amerika und Deutschland Seite an Seite stehen", sagte Bush vor einigen hundert geladenen Gästen bei strahlendem Sonnenschein auf dem Alten Markt der Hansestadt an der Ostsee.

Wiedervereinigung

Merkel erinnerte an die Hilfe der USA bei der Vereinigung Deutschlands: "Wir haben den Vereinigten Staaten viel zu verdanken, dass wir in Frieden und Freiheit heute gemeinsam in einem Land, in Deutschland, leben können." Während des Besuchs sind 12.500 Polizisten im Einsatz. Es gilt die höchste Sicherheitsstufe.

Bush betonte, das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern habe eine hervorragende Bundeskanzlerin für Deutschland hervorgebracht. Merkel lege Wert auf starke Partnerschaften. "Ich habe Achtung vor ihrem Urteilsvermögen und lege Wert auf ihre Meinung", sagte Bush. Mit Blick auf Ostdeutschland sagte der US-Präsident, die Deutschen seien vor Jahrzehnten durch eine hässliche Mauer getrennt gewesen und lebten heute nach langer Zeit der Tyrannei wieder vereint in der Mitte Europas, das frei und im Frieden mit sich selbst sei.

Merkel betonte, sie wolle dem Präsidenten am Beispiel ihres Wahlkreises zeigen, wie die Menschen ihr Schicksal in die Hand genommen hätten und "wie wir gemeinsam den internationalen Gefahren trotzen wollen, damit wir weiter in Frieden und Freiheit in unseren jeweiligen Ländern leben können".

Kirchenbesuch und Grillfest

Nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Stralsund zog sich Bush mit Merkel für etwa zwei Stunden zu politischen Gesprächen zurück. Dabei dürfte es vor allem um die sich dramatisch verschärfende Situation im Nahen Osten gehen, wo Israel nach der Verschleppung zweier israelischer Soldaten durch die radikalen Hisbollah-Milizen ihre Militäroffensive im Libanon und auch im Gaza-Streifen fortsetzte. Weitere Themen sind der Atomstreit mit dem Iran, die Lage nach den Raketentests in Nordkorea und der bevorstehende G-8-Gipfel in St. Petersburg am Wochenende.

Nach einer Pressekonferenz am Mittag sowie einem Mittagessen im Ratskeller der Stadt wollen Bush und Merkel am Nachmittag die Nikolaikirche in Stralsund besuchen. Die 1276 erstmals erwähnte Backstein-Basilika ist die älteste der drei Stralsunder Pfarrkirchen. Anschließend fliegt Bush wieder zurück in sein Domizil Heiligendamm. Am Abend ist im Dorf Trinwillershagen zwischen Rostock und Stralsund ein Grillfest zu Ehren des Präsidenten geplant.

Trinwillershagen war zu DDR-Zeiten ein landwirtschaftliches Vorzeigedorf. Es gehört wie Stralsund zum Wahlkreis Merkels als Bundestagsabgeordnete der CDU. Merkel stammt allerdings nicht aus der Region, sondern aus dem Bundesland Brandenburg. Sie hatte den Wahlkreis an der Küste 1990 eher zufällig bekommen. (APA/dpa)

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