WWF erwartet vermehrt Dürreperioden in Mittelmeerregion

21. Juli 2006, 17:07
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Organisation fordert sofortiges Umlenken bei der Vergabe landwirtschaftlicher Subventionen durch die EU

Wien - Der WWF schlägt Alarm: Laut einer Studie der Organisation wird die Mittelmeerregion in Zukunft mit immer häufigeren und stärkeren Dürrephasen zu kämpfen haben. Verantwortlich für die vor allem in den Sommermonaten auftretenden dramatischen Trockenperioden in weiten Teilen Süd- und Mitteleuropas sei der immense und größtenteils ineffiziente Wasserverbrauch in der Landwirtschaft, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung.

Der WWF (World Wide Fund for Nature): "Rund 65 Prozent des gesamten Verbrauchs landen auf Feldern und in Gewächshäusern, und zwar vor allem, um mit Hilfe von EU-Subventionen wasserintensive Feldfrüchte wie Zuckerrüben und Mais zu produzieren."

Forderung

Die Organisation fordert angesichts des Katastrophensommers 2005 und der auch in diesem Jahr zu erwartenden neuen "Jahrhundertdürren" in Spanien und Portugal ein sofortiges Umlenken bei der Vergabe landwirtschaftlicher Subventionen durch die EU. Darüber hinaus seien die Mittelmeerstaaten selbst gefordert, um den Einsatz und den Konsum der knappen Trinkwasserressourcen viel stärker als bisher zu regulieren.

"Die Dürren der letzten Jahre zeigen, dass wir es im Mittelmeerraum mittlerweile mit einer chronischen Wasserknappheit zu tun haben", beurteilte Martin Geiger, Leiter des WWF-Fachbereichs Süßwasser, die Ergebnisse der Studie. Geiger hatte bereits im Dürre-Sommer 2005 eindringlich davor gewarnt, die extreme Trockenheit in den Mittelmeerstaaten zu verharmlosen und diese allein durch natürliche Phänomene zu erklären.

Der Experte weiter: "Natürlich ist es in Spanien, Italien und Portugal im Sommer heiß und trocken. Aber was wir dort in den vergangenen fünf bis zehn Jahren an Dürren und Waldbränden erlebt haben, ist einfach nicht mehr normal."

Gefahr einer "Wüste"

Nun, im Sommer 2006, stünden die Mittelmeerländer und sogar Großbritannien erneut vor bzw. bereits in extremen Dürrephasen und damit auch vor verheerenden Waldbränden, die jedes Jahr riesige Flächen dem Erdboden gleichmachten. "Wenn wir nicht aufpassen, haben wir bald eine neue Wüste Sahara am Mittelmeer", warnte Geiger.

Nach Angaben des WWF hat sich im Mittelmeerraum der Anteil landwirtschaftlicher Flächen, die bewässert werden, seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verdoppelt. Statt weiterhin auf Oliven und Zitronen zu setzen, die allein mit Regen bewässert werden, sind in den vergangenen Jahrzehnten viele Bauern den Leitlinien der nach Ansicht des WWF fehlgeleiteten EU-Subventionspolitik gefolgt und haben Mais und Zuckerrüben angebaut.

Dem dadurch gestiegenen Wasserbedarf seien die Regierungen mit dem Bau weiterer Entsalzungsanlagen, Staudämme und Brunnen begegnet. "Mit diesen klassischen Instrumenten der Wasserpolitik kann nicht mehr kompensiert werden, dass das Wasser durch den Klimawandel, die Landwirtschaft und den Tourismus immer knapper wird", stellte Geiger fest. Die einzigen wirksamen Gegenmittel laut dem WWF: Drastische Reduktion des Wasserverbrauchs und eine effizientere Nutzung der Ressourcen. (APA)

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