Meinungsforscher sehen ÖVP im Vorteil

13. Juli 2006, 18:58
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Politologe Filzmaier hält Spekulationen über Termin jedoch für überschätzt

Wien - Die Meinungsforscher sehen mit dem Wahltermin 1. Oktober die ÖVP im Vorteil. "Die ÖVP hat alle Trümpfe in der Hand", formulierte es Peter Hajek von OGM gegenüber der APA. Auch Gallup-Chef Fritz Karmasin meinte, die ÖVP sei gegenüber der SPÖ im Vorteil,. Für "überschätzt" hält hingegen der Politologe Peter Filzmaier die Spekulationen über Auswirkungen des Wahltermins auf den Ausgang. In den Umfragen liegt die ÖVP jedenfalls derzeit rund fünf Prozentpunkte vor der SPÖ.

Angesichts der Probleme der SPÖ mit der BAWAG-ÖGB-Affäre und den internen Diskussionen meint Hajek: "Alles spricht für die ÖVP." Für die SPÖ könne der frühe Wahltermin ein Nachteil sein, er müsse es aber nicht sein. Möglich wäre es seiner Ansicht nach auch, dass die Leute von der von der Sonne und dem Meer "gemildert" aus dem Urlaub nach Hause kommen und die BAWAG-Affäre dann "vielleicht nicht mehr so heiß sehen". Karmasin sieht die SPÖ deshalb im Nachteil, weil die Probleme der Partei "nicht ausdiskutiert" sind. Filzmaier meint hingegen, dass es für die SPÖ in jedem Fall darum gehen müsse, über den Sommer das Thema aus der öffentlichen Diskussion wegzubringen. Dabei sei es nicht so wichtig, ob die Wahl am 1. Oktober oder einige Wochen später stattfindet.

Kleine Parteien, große Probleme

Für die kleinen Parteien und vor allem für Hans-Peter Martin sehen die Experten jedenfalls durch den frühen Wahltermin größere Probleme. Filzmaier geht davon aus, dass für Martin "das Zeitfenster" klein wird. Nicht nur die Erbringung der 2.600 Unterstützungsunterschriften werde nicht leicht, sondern vor allem die Erstellung der Kandidatenlisten sei speziell im Sommer schwierig. Der Politologe verweist darauf, dass 43 Regionalwahlkreislisten besetzt werden müssen. Ohne die jeweiligen Regionalwahlkreislisten könne man keine Landeslisten erstellen und damit nicht in dem Bundesland antreten. Auch Hajek und Karmasin bestätigen, dass es vor allem für Martin "knapp" bzw. "eng" werden könnte.

Filzmaier glaubt, dass die Vereinbarung der vier Parlamentsparteien für den 1. Oktober "ein logisches Übereinkommen" ist. Letztlich hätten "sehr pragmatische Gründe" den Ausschlag dafür gegeben. Alle würden von einem kurzen und billigen Wahlkampf profitieren.

Nach der letzten Umfrage von OGM liegt die ÖVP derzeit bei 40, die SPÖ bei 35 Prozent. Umgedreht hat sich das Verhältnis nach Bekanntwerden der BAWAG-Affäre. Bis zum März war noch die SPÖ mit 41 zu 37 Prozent voran gelegen. Die Grünen werden derzeit mit 13 Prozent eingeschätzt, die FPÖ mit acht Prozent. Das BZÖ wird in der Juni-Umfrage von OGM mit drei Prozent ausgewiesen, Martin wurde von OGM noch nicht abgefragt. Zu ganz ähnlichen Daten kommt auch die aktuelle market-Umfrage. Dabei wurde auch Martin erhoben und so wie das BZÖ mit drei Prozent bewertet. Beide würden damit nicht die Vier-Prozent-Hürde schaffen.

(APA)

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