Aufträge an ÖBB-Aufsichtsräte auf der Tagesordnung

7. August 2006, 13:16
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In der ÖBB ist die Grenze zwischen Aufsichtsrat, Lieferanten- und Kundenbeziehungen fließend - Daneben erhitzt ein Immobilien-Deal die Gemüter

Wien – Auftragsvergaben an ÖBB-Aufsichtsratsmitglieder stehen im ÖBB-Konzern offenbar auf der Tagesordnung. Neben der Malik Management Zentrum St. Gallen, Wiener Ableger des St. Gallener Consulters MSZG des Fredmund Malik, und Rechtsanwalt Dieter Böhmdorfer pflegt auch die Kapsch AG beste Beziehungen zur Staatsbahn.

Sie hat im abgelaufenen Geschäftsjahr (31. März 2006) zumindest einen Auftrag für ein IT-Managementsystem für die ÖBB bekommen. Eine Unvereinbarkeit zu seinem Aufsichtsratsmandat sowohl in der ÖBB-Holding als auch in der Rail Cargo Austria (Güterverkehr-AG) sieht Kapsch-Vorstand Kari Kapsch nicht: "Wir sind seit Jahrzehnten Lieferant der ÖBB, ich erachte das nicht als unvereinbar." Der Auftrag (eine IP-Adressverwaltung im Wert von 23.280 Euro), wurde von der ÖBB Infrastruktur Betrieb AG vergeben – und unterliegt damit zufällig nicht der Ausschreibungspflicht.

Schiefe Optik

Im Gegensatz zu Malik, der am Donnerstag zumindest "eine schiefe Optik" einräumte, sieht Kapsch keinen Grund, sein Mandat abzugeben. Die Vergabe durch die ÖBB sei transparent und ohne jede Einflussnahme abgewickelt worden. Im Gegenteil, die Kapsch AG_habe sich auch an der laufenden Ausschreibung für das neue, bahneigene GSM-R-System beteiligt. "Es gibt ja nur Siemens und uns als Anbieter", sagte Kapsch am Donnerstag. Eine Unvereinbarkeit sieht der ÖBB-Kontrollor auch deshalb nicht, weil das Aktiengesetz die Spielregeln vorgebe. "Und wenn der Eigentümer beschließt, in den ÖBB-Aufsichtsrat fachlich kundige Wirtschaftsleute in den Aufsichtsrat zu schicken, werden sie im kleinen Land Österreich niemanden finden, der keine Lieferanten-Kunden-Beziehung hat."

Familiengeschäfte

Nicht um Lieferanten- sondern möglicherweise Familiengeschäfte geht es beim ehemaligen Telekom-Wählamt auf dem Wiener Schillerplatz. Selbiges will die TA verkaufen. Dass die Projektentwicklungsgesellschaft "Schillerplatz 4" die Verwertung der auf 25 Mio. Euro geschätzten Nobelimmobilie abwickelt, als deren Geschäftsführerin just Birgit Huber-Lipp fungiert, die Ehefrau von ÖBB-General Martin Huber, bestreitet TA-Festnetz-Chef und ÖBB-Aufsichtsratsmitglied Rudi Fischer. Er sei in TA-Immobiliengeschäfte nicht eingebunden, das mache TA-Finanzchef Stefano Colombo. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.7.2006)

  • Für das Innenstadtpalais Schillerplatz 4, jahrzehntelang Herberge für Wiens zweitgrößtes Telekom-Wählamt, wird just im Dunstkreis der ÖBB-Führung ein neuer Besitzer gesucht.
    foto: standard/newald

    Für das Innenstadtpalais Schillerplatz 4, jahrzehntelang Herberge für Wiens zweitgrößtes Telekom-Wählamt, wird just im Dunstkreis der ÖBB-Führung ein neuer Besitzer gesucht.

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