Martin Kusej im Streit mit Morak und dem Burgtheater

13. Juli 2006, 12:10
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Der Regisseur will das Haus nicht mehr betreten und Österreich verlassen - Reaktion auf Berufung von Hartmann

Wien - Martin Kusej will das Burgtheater nach der Ära Bachler nicht mehr betreten und als Regisseur mittel- und langfristig seine Zelte in Österreich abbrechen. Damit reagiert der Schauspielchef der Salzburger Festspiele, der als einer der Favoriten für die Nachfolge von Klaus Bachler gegolten hatte, auf die Kür von Matthias Hartmann zum neuen Burgtheaterdirektor. Die Art der Besetzung sei "ein kulturpolitischer Eklat", sagt Kusej in einem Interview mit den Salzburger Nachrichten.

"Hey ciao"

"Über die Unverfrorenheit" von Staatssekretär Franz Morak (V) "einfach überhaupt mit niemandem ein Gespräch zu führen", beschleiche ihn "pures Entsetzen", so Kusej. Der gebürtige Kärntner hatte bereits 2005, als er als Intendant der Wiener Festwochen im Gespräch war, "mangelnde Kommunikation" und "manipulative" Diskussion der politisch Verantwortlichen konstatiert. Die Art, in der über bedeutende Positionen entschieden werde, lasse das kulturpolitische Klima des Landes erkennen. Es sei "eine seltsame Lähmung".

Im Burgtheater sieht der 45-Jährige "keine Perspektive, genauso wenig in der Staatsoper. Ich hab nichts mehr zu tun. Das wars", so Kusej. Er habe sich in den sechs Jahren seit Antritt der schwarz-blauen Regierung "eh schon zu sehr hinterrücks wieder an Österreich angenähert. Jetzt ist es Zeit zu sagen: Hey ciao, ich bin wieder weg die nächsten Jahre!"

"Ein Jahr freimachen"

In einer "etwas distanzierteren Zeitspanne" werde es "auch wieder so etwas geben wie einen Direktorenjob", so Kusej. Zuvor sind noch einige Inszenierungen geplant, darunter im November 2007 am Theater an der Wien Monteverdis Oper "Il Ritorno d'Ulisse in Patria" unter Nikolaus Harnoncourt. Zunächst verantwortet Kusej heuer jedoch seinen zweiten und letzten Sommer als Festspiel-Schauspielchef in Salzburg. Dort hat am 23. Juli seine Nestroy-Inszenierung von "Höllenangst" Premiere, die im September das Burgtheater eröffnet. Wenn alle Verpflichtungen abgearbeitet sind, will er "definitiv ein Jahr frei machen". (APA)

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    Martin Kusej

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