Komment@r: Begrenztes Genie

13. Juli 2006, 21:05
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Zinedine Zidane gab sich drei Tage Zeit zur Stellungnahme. Genug Zeit, um abzukühlen, um sich ein paar Fragen zu stellen. Zum Beispiel: „Welches Rechtsempfinden will ich den Franzosen, will ich den französischen Kids vermitteln?“ Seine Antwort auf diese Frage hat Gewicht, hat Bedeutung, nicht nur in der Banlieue und fällt folgendermaßen aus: „Du darfst zuschlagen, wenn Deine Ehre oder die deiner Familie beleidigt wird!“

Das ist für einen erwachsenen Mann hochgradig peinlich. Viel peinlicher als ein mehr oder weniger harmloser Kopfstoß im Affekt. Gewalt darf niemals die Lösung für einen verbalen Konflikt sein, darüber können wir doch nicht ernsthaft diskutieren. Sonst müssten wir auch die Grenze bestimmen. Idiot: nein. Hässlicher Vollidiot: nein. Hurensohn: weiß nicht so recht, vielleicht Gnackwatschn? Sohn einer Terroristin: ja, Headkick ist wohl angebracht. Oder auch nicht. Eine Diskussion über die Grenze des zu Ertragenden kann unmöglich eine Lösung finden.

Zidane hätte nach reiflicher Überlegung sein Bedauern ausdrücken sollen, Sportler seines Bekanntheitsgrades sind nun mal Vorbild, ob wir und er das wollen oder nicht. Der Kopfstoß war entschuldbar, die Rechtfertigung ist es nicht. Zidane hat sich verhalten wie ein störrisches Kind, sein Genie wird ein rein ballestrisches bleiben. (Philip Bauer)

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