Haberzettl gegen verfrühte Personaldiskussionen

19. Juli 2006, 15:35
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FSG-Chef will zuerst inhaltliche Diskussion im ÖGB abschließen: "Ich bin gegen Planspiele"

Wien - Der neue Vorsitzende der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG), Wilhelm Haberzettl, ist gegen verfrühte Personalrochaden im ÖGB und will, dass die Spitzenpositionen erst nach der neuen inhaltlichen Ausrichtung besetzt werden. Ende Oktober möchte er die inhaltliche Diskussion abgeschlossen wissen, erst danach könnten Personaldebatten stattfinden. "Alles andere ist für uns fatal, weil verkehrt", sagt Haberzettl in der Donnerstag-Ausgabe der "Salzburger Nachrichten".

"Ich bin gegen Planspiele"

"Ich bin gegen Planspiele. Jetzt wird wohl monatelang darüber spekuliert, wer an die Spitze des ÖGB, der FSG und der AK kommen soll", meint der Vorsitzender der Eisenbahnergewerkschaft. "Es ist falsch, dass wir die Reformen in typisch österreichischer Manier mit Personalfragen und Strukturüberlegungen beginnen", kritisiert er jene, die die diesbezügliche Gerüchte in Umlauf gebracht haben. Denn ihm sei klar, dass der öffentliche Postenschacher nach dem BAWAG-ÖGB-Skandal das angekratzte Image weiter beschädige.

Die Gerüchte über einen vorzeitigen Rücktritt von AK-Chef Herbert Tumpel will Haberzettl nicht kommentieren. "Solche Debatten sind nicht fair. Tumpel soll erst gesund werden", meint er in Hinblick auf die bevorstehende Operation des ehemaligen BAWAG-Aufsichtsrates. GPA-Geschäftsführerin Dwora Stein werde schon seit drei Jahren für eine Topposition im ÖGB ins Spiel gebracht. Das heiße aber nicht, dass die AK-Vizepräsidentin tatsächlich als Nachfolgerin Tumpels in Frage komme, sagt Haberzettl.

Handlungsbedarf bei Finanzen

Akuten Handlungsbedarf ortet der FSG-Chef bei den Finanzen des ÖGB. Er plädiert für die Zusammenlegung der Backoffice-Bereiche von Gewerkschaftsbund und Teilgewerkschaften. "Da kann viel eingespart werden. Wir brauchen nicht elf Mal eine Buchhaltung." Dass diesem Schritt auch Posten zum Opfer fallen werden, schließt er nicht aus. Im großen Stil werde es zu Personalumschichtungen bei den jungen Mitarbeitern kommen. "Denselben Schreibtisch kann man niemandem versprechen. Angesichts der ernsten Lage ist Flexibilität gefordert."

Ob der jetzige geschäftsführende FSG-Vorsitzende diese Funktion auch definitiv übernehmen wird, lässt er vorläufig noch offen. "Es ist noch nicht sicher, dass ich am Gewerkschaftstag im Jänner für den FSG-Vorsitz kandidiere. Ich habe diesen Job nie angestrebt."

Ein wichtiges gewerkschaftspolitisches Ziel ist für ihn die Zusammenführung der drei Fachgewerkschaften Eisenbahner, Hotel-Gastgewerbe-Persönlicher Dienst und Transportarbeiter. Diese soll ab September über die Bühne gehen. "Und daran hängt mein Herzblut." (APA)

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