Flusskrebse funkeln

16. Juli 2006, 19:04
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In Innsbruck hat ein Swarovski-Spross ein spektakulär designtes Restaurant eröffnet. Die Küche ist, nona, modern und international, der Luster aus familieneigener Produktion

Dass der bunt glimmende Luster im Restaurant von Diana Langes-Swarovski aus der familieneigenen Kristallschleiferei stammt, war ziemlich vorhersehbar. Dass die Schönsten des heiligen Landes Schlange stehen, um am hübschen Security-Boy vorbei ins nagelneue, doppelstöckige "Maquin" in der Innsbrucker Altstadt zu gelangen, ebenso: Es passiert schließlich nicht alle Tage, dass ein mondäner Weltkonzern-Spross ordentlich Geld in die Hand nimmt, um der engen Heimat ein Restaurant nach eigenem, dezidiert internationalem Geschmack hinzustellen.

So ist das Maquin ein Lokal mit mächtig Holz und schwarzem Stein, Samt und, natürlich, einigem Glitzer geworden. Im Schanigarten darf auf Sofas in der Sonne geknozt werden, dazu wird köstliches Eis aus hauseigener Produktion geschleckt. Im angeschlossenen Shop werden selbst gebackenes Brot, köstlich gefüllte Croissants, Champagner, Geschenke und diverse Bio-Produkte verkauft - bis über jede christliche Ladenschlusszeit hinaus.

Die Speisekarte aber ist wohl die Hauptattraktion des Lokals - sie liest sich über weite Strecken so, als wäre die Küche eben aus Sydney, San Francisco oder Hongkong hergebeamt worden. Klar, dass die Speisen nicht altvaterisch in Fisch und Fleisch kategorisiert werden, wo doch die fünf Elemente viel umfassender für Wohlbefinden und innere Erfüllung sorgen!

So bringt der Wind etwa eine gegrillte Artischocke, gefüllt mit saftigen Flusskrebsschwänzen, gratiniert mit köstlicher Zitrus-Hollandaise, arrangiert auf knackigen, gut marinierten Roten Rüben. Noch besser schmecken nur die BBQ Spare Ribs mit umwerfend guter Marinade und, ebenso erfreulich wie selten, ziemlich aufwändig gemischtem Salat aus allerlei Wurzeln, Pilzen, Sprossen und Kräutern. Im Vergleich dazu fällt Tuna Tataki, kurz angegrillter Fisch in feine Scheiben geschnitten und gar zurückhaltend gewürzt, eher matt aus.

"Nudelgericht à la Maquin" mag ein rührend unbeholfen gewählter Name für klassische "vegetable fried noodles" sein, dessen ungeachtet geraten sie ausnehmend gut, mit viel knackig gebratenem Gemüse, dazu ordentlich Thai-Basilikum, gehackte Erdnüsse, geräucherter Tofu - genau so soll Pad thai schmecken. Wem Gemüse allein Angst macht, darf gegen moderaten Aufpreis Shrimps und Huhn mit in den Wok beordern. Eine entbeinte Wachtel klassisch mit Semmelfülle zu stopfen und zu braten, mag ja noch angehen, sie auf eine Art grünen Thai-Curry mit zu knapp gegarten Melanzane und Mangos zu setzen, ist aber zu viel der Kon-Fusion - das Gericht zerfällt in seine aromatischen Einzelteile. Auf Tischwäsche wird locker verzichtet, dafür gibt es gute, teils richtig edle Weine (Krug Clos du Mesnil, Mouton-Rothschild, Barbaresco von Gaja . . .), gute Livemusik und Servierpersonal aus vielen fernen Ländern. (SEVERIN Corti, DER STANDARD, rondo/14/07/2006)

Maquin
Seilergasse 8
6020 Innsbruck
Tel.: 0512-565 444
Mo-Sa 8-2
VS € 5-12,50
HS € 12,50-32
  • Artikelbild
    foto: gerhard wasserbauer
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