Glücksspiel-Monopol soll fallen

12. Juli 2006, 19:42
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Novelle möglicherweise noch vor Wahlen - Staat könnte über die Telekom Austria am Markt mitschneiden

Wien - Unmittelbar vor der Sommerpause plant die Bundesregierung offenbar die Abschaffung des Monopols für Glücksspiele. Am Donnerstag wollen die Regierungsparteien ÖVP und BZÖ die Novelle zum Glücksspielgesetz absegnen, berichtet die Tageszeitung "Die Presse" (Donnerstagausgabe). Damit könnten Lotto und Toto nicht nur bei den Lotterien gespielt werden, sondern auch bei anderen Anbietern. Dasselbe gilt für Roulette, Baccarat & Co.

Die Abschaffung des Monopols würde den Weg für die niederösterreichische Novomatic-Gruppe frei machen, die sich zusammen mit der Telekom Austria für das lukrative Geschäft Lotteriegeschäft interessiert. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen das Glücksspiel - Lotto, Video-Poker und diverse Online-Spiele - in heimische Wohnzimmer bringen, schreibt die Zeitung. Voraussetzung dafür ist eine Lizenz für elektronische Lotterien, die erst durch eine Gesetzesnovelle erteilt werden kann.

Staat profitiert via Telekom Austria

Der geplante Schritt sei eine reine Marktöffnung, von der auch der Staat profitieren würde. Über die Telekom Austria, an der die Republik 25,01 Prozent hält, würde sich der Staat indirekt Zugang zum stark wachsenden Glücksspielmarkt eröffnen.

Verlierer der Öffnung des Marktes wären die Casinos Austria sowie die Lotterien, deren Chef Leo Wallner von der Maßnahme nicht begeistert ist. Wallner zur "Presse": "Wir wurden nicht einmal informiert, sondern haben nur durch Zufall Wind von der geplanten Liberalisierung bekommen. Es handelt sich um eine Nacht- und Nebelaktion, die eines demokratischen Staates nicht würdig ist".

Die Oppositionsparteien sehen das ähnlich. Auch der bei der ÖVP zuständige Finanzsprecher Günter Stummvoll habe Zweifel: "Es ist offen, ob das so kommt". Als Chef des neuen Glücksspielanbieters soll der Kabinettchef im Finanzministerium, Matthias Winkler, im Gespräch sein. Der freilich hält solche Spekulationen "für absolut lächerlich". (APA)

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