Lugner: "Mich sollen sie in Ruhe lassen"

23. Juli 2006, 18:33
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Gewerkschaft will Sprecher für die Angestellten - Den Anfang soll die Lugner City machen - doch Lugner ist dagegen

Die Gewerkschaft der Privatangestellten startet ein Projekt, bei dem es gilt, in Einkaufszentren Centersprecher für die Angestellten einzusetzen. Den Anfang soll die Lugner City machen, doch Richard Lugner ist dagegen. Die Sonntagsöffnung ist ebenfalls Thema.

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Wien – "Mich sollen sie in Ruhe lassen," sagt Baumeister und Shopping-Center-Besitzer Richard Lugner.

Diesen Wunsch richtet er an die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), die in den vergangenen drei Monaten die Angestellten zu den Arbeitsbedingungen in der Lugner City befragt hat. Die von Lugner geforderte Sonntagsöffnung war das Hauptanliegen, doch auch die Themen Arbeitszeit, Gehalt und Ausbezahlung von Zuschlägen wurden angesprochen. 356 Fragebögen wurden ausgegeben, 140 wurden retourniert. Das Resümee der darauf folgenden Diskussion von Handelsangestellten und Betriebsräten war: Ein Centersprecher mit gesetzlicher Grundlage, der die Angestellten vertritt, solle gewählt werden. Dazu habe auch die Geschäftsführung der Lugner City "Gesprächsbereitschaft signalisiert", heißt es von der GPA.

Sonntagsöffnung

Die Sonntagsöffnung fiel bei den Befragten allerdings durch: 99 Prozent sprachen sich dagegen aus. Auch die längeren Öffnungszeiten am Donnerstag und Freitag (bis 21 Uhr, ansonsten bis 19 Uhr) sei eine "Belastung", denn die Geschäfte seien unterbesetzt und auch das Familienleben der Angestellten leide darunter. Für einen der Geschäftstreibenden lohnte es sich auch nicht, weil nur wenige Kunden etwas kauften, er sich aber an die vorgeschriebenen Öffnungszeiten der City halten müsse. Lugner "dagegen"

Für Richard Lugner kommt ein Centersprecher "nicht in Frage", denn seine Vertragspartner seien die 114 Mieter und die müssten sich mit ihren Betriebsräten etwas ausmachen, betont er. Der längere Donnerstag und Freitag "funktionieren hervorragend," meint er weiter und sieht dieses Angebot auch als Dienstleistung für all jene, die in den normalen Geschäftszeiten selber arbeiten müssten. In Anbetracht dessen, dass die Verkehrsanbindung an Bratislava, wo laut Lugner vier Einkaufszentren am Sonntag geöffnet hätten, besser würden und somit auch österreichische Kunden anlockten, tritt er für die Sonntagsöffnung ein: "Am Sonntag sind die voll!" Es müsse ja nicht sein, dass jeder jeden Sonntag arbeiten müsste.

GPA Einkaufscenter

Der Umsatz würde um drei Prozent steigen, da würde man auch drei Prozent mehr Angestellte brauchen, denen man auch, inklusive aller Zuschläge, mehr bezahlen würde, rechnet Lugner vor. Er verstehe nicht, warum sich die GPA dafür einsetze, dass die Angestellten "um billigere Stunden arbeiten sollen und nicht um die teuren." Lugner stellt sich die Frage, warum man ausgerechnet auf ihm "herumreitet", wo doch die GPA das Einkaufscenter im Gasometer betreibe.

Die GPA findet es "empörend, dass Lugner diese Mär in die Welt setzt". Die Wohnbauvereinigung der GPA sei bloß einer der drei Bauträger der umgebauten Gasometer gewesen, und habe, damit die Nahversorgung nicht zusammenbreche, den insolventen Center-Betreiber 2003 aufgefangen. Und das als Bauträger, nicht als Gewerkschaft, betont man seitens GPA. Wolfgang Katzian, Vorsitzender der GPA fügt hinzu, man sei bezüglich Centersprecher mit mehreren Einkaufszentren im Gespräch. Die Lugner City sei der Anfang des Projekts.(Marijana Miljkovic, DER STANDARD Printausgabe 13.7.2006)

  • Richard Lugner, die Geschäfte und auch seine City, im Blick
    foto: standard/ newald

    Richard Lugner, die Geschäfte und auch seine City, im Blick

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