Peace Now: Mit Hamas verhandeln

14. Juli 2006, 07:10
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Friedensorganisation für Gefangenentausch

Tel Aviv/Wien - Die Eskalation im Gazastreifen erreicht nach Ansicht der israelischen Friedensorganisation Peace Now "bald das Stadium des Wahnsinns". Das sagte der Peace-Now-Aktivist und Politikwissenschafter an der Hebräischen Universität Jerusalem, Galia Golan, im Gespräch mit dem Standard. "Es gibt eine Eskalation der Gewalt sowohl seitens der Palästinenser als auch der Israelis", sagt der Peace-Now-Sprecher.

Um die anhaltende Gewalt im Gazastreifen zu stoppen, fordert die Friedensorganisation die israelische Regierung dazu auf, den Forderungen der Hamas nachzukommen und die palästinensischen Gefangenen im Austausch gegen den entführten Korporal Gilad Shalit freizulassen. "So wurde das früher schon gemacht und es hat funktioniert", sagt Golan. Anfang 2004 etwa hatte Israel mehr als 420 arabische Häftlinge freigelassen, im Gegenzug kam der israelische Geschäftsmann Elhanan Tennenbaum frei. Auch die drei Leichen von israelischen Soldaten wurden damals von der Hisbollah an Israel überstellt. Die Vereinbarung mit den Libanon kam durch die Vermittlung Deutschlands zustande.

Kein Boykott

Die Lage im Gazastreifen nach der anhaltenden israelischen Militäroffensive kann Golan nicht beurteilen. "Wir verurteilen aber die Gewalt beider Lager", erklärt der Peace-Now-Aktivist Golan. Enttäuscht zeigt er sich darüber, dass zwischen der Hamas und den Israelis keine direkten Verhandlungen geführt werden. "Das wäre im Sinne der angestrebten Initiative von Peace Now, die im Austausch für einen Friedenschluss nach der Formel "Land für Frieden"einen gerechten Frieden und eine historische Versöhnung mit den Palästinensern erreichen will", sagt Golan. (Anais Weinberger, DER STANDARD, Print, 13.7.2006)

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