Eine Grillparty mit 12.500 Polizisten

13. Juli 2006, 12:07
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Bush kommt an die Ostsee, um mit Merkel auch über den Iran zu plaudern

Eine derart gut bewachte Grillparty hat es auf der Welt noch nicht gegeben. Wenn sich US-Präsident George W. Bush heute, Donnerstag, in der Hansestadt Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) und später im Dörfchen Trinwillershagen einfindet, sorgen 12.500 Polizisten für seine Sicherheit. Das Hotel im Nobelbadeort Heiligendamm ist von 1,3 Kilometern Stacheldraht umgeben. Auf der Ostsee darf im Umkreis von 50 Kilometern kein Schiff fahren. Dabei soll der Bush-Besuch in Merkels Wahlkreis Nordvorpommern auch eine private Note haben. Merkel hat Bush an die Ostsee eingeladen, weil er noch nie in Ostdeutschland war und sie ihm die "Freiheitsliebe" ehemaliger DDR-Bürger näher bringen will. Doch natürlich stehen bei der bisher längsten Visite Bushs in Deutschland (zwei Übernachtungen) nicht nur Grillen und Chillen auf dem Programm, sondern auch Weltpolitik.

Hauptthema ist der Atomstreit mit dem Iran. "Ich bin sehr dankbar für die starke Position der Kanzlerin", lobte Bush schon vorab im Interview mit dem Handelsblatt. "Wir werden mit unseren Freunden zusammenarbeiten, um die Angelegenheit diplomatisch zu lösen", betonte er, erhöhte aber erneut den Druck: "Sollten die Iraner keine positive Antwort liefern, werden wir reagieren." Die fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat haben dem Iran eine Frist bis zum G-8-Gipfel am Wochenende gesetzt, auf ihr Angebot zu reagieren. Weitere Themen zwischen Bush und Merkel: Die sich verschlechternde Sicherheitslage in Afghanistan, Nahost, die Raketentests in Nordkorea, die blockierten Verhandlungen der Welthandelsorganisation (WTO), Energie.

Nach einem Rundgang in Stralsund, wo Bush mit einer von der Linkspartei organisierten Demonstration rechnen muss, geht es dann per Helikopter zum Barbecue nach Trinwillershagen. Das Wildschwein, das Bush gegrillt bekommt, ist vom Amtstierarzt bereits zum Verzehr freigegeben. Im Fleisch der 30 Kilo schweren Wildsau wurden keine Trichinen gefunden. Während des Essens dürfen 50 ausgewählte Bürger von ihrem DDR-Alltag erzählen. (Birgit Baumann aus Berlin/ DER STANDARD, Printausgabe, 13.7.2006)

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