Secret Ladies: Doku-Reihe "Top Secret" widmet sich zunächst weiblichen Spionen

19. Juli 2006, 13:52
2 Postings

Dokumentation findet kaum Zeit findet, bei einer Protagonistin länger zu verweilen

Wer eine hohe Antenne auf dem Dach stehen hat, braucht sie nicht unbedingt zum Radiohören: Über viele Jahre hinweg hätte er sich gewundert, dass seine Mutter bei den ständigen Ortswechseln stets die Antenne mitgenommen habe, erzählt der Sohn der bedeutendsten Spionin des 20. Jahrhunderts. Es war die gebürtige Berlinerin Ruth Werner, die als Agentin für den KGB solcherart die Pläne der Atombombe an die Sowjetunion verriet. Diese Arbeit hätte natürlich auch jemand anderer getan, doch Werner hatte für den erfolgreichen Verrat eine perfekte Tarnung: Sie war eine Frau und dreifache Mutter.

Weibliche Beteiligung am Spionagetreiben

Der erste Teil der fünfteiligen ORF-Dokureihe "Top Secret - Streng geheim" (Freitag, 21.20 Uhr, ORF 2) widmet sich der weiblichen Beteiligung am Spionagetreiben und beginnt - wie könnte es anders sein - mit Mata Hari. Deren Schleiertänze konnten auf Dauer nicht verbergen, dass sie während des Ersten Weltkriegs als Doppelagentin Frankreich und Deutschland Informationen lieferte. Mata Hari, 1917 von der französischen Spionageabwehr erschossen, gilt noch heute als Wegbereiterin eines verrucht-glamourösen Bildes der Spionin, in dessen Nähe auch Marlene Dietrich, Zarah Leander oder Josephine Baker gerückt wurden.

Atemlos wirkender Off-Kommentar

Wie umfangreich der Einsatz von Frauen im Spionagegeschäft ist, merkt man auch daran, dass die Dokumentation kaum Zeit findet, bei einer Protagonistin länger zu verweilen: Wenige Minuten Archivmaterial, kombiniert mit Erzählungen von Angehörigen (etwa Caspar Einem über seine spionierende Großmutter Gerta-Luise von Einem) und unterlegt von einem atemlos wirkenden Off-Kommentar lassen kaum die Möglichkeit einer genaueren Analyse der Rolle der Frau in diesem angeblichen "Männergeschäft" zu. So wird auch erst durch die einzelnen Fälle ersichtlich, wie selten ideologische Überzeugung statt zumeist äußere Umstände wie Geldnot oder Abhängigkeit für den Einstieg ins Spionagegeschäft verantwortlich waren - und möglicherweise sind. Das festgelegte weibliche Rollenbild wird somit selbst im Geheimen noch ersichtlich. (Michael Pekler/DER STANDARD; Printausgabe, 13.7.2006)

"Top Secret - Streng geheim", Freitag, 14. Juli, 21.20 Uhr, ORF 2
  • Lilli Pöttrich, (Ex-Stasi-Agentin an der deutschen Botschaft in Paris.
    foto: orf/michael fried

    Lilli Pöttrich, (Ex-Stasi-Agentin an der deutschen Botschaft in Paris.

Share if you care.