"Treue-Gen" bietet keine Garantie auf Zweisamkeit

15. Juli 2006, 18:00
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Forscher mussten konstatieren: Mäuse können trotz entsprechender genetischer Ausstattung polygam leben

Bern - Berner Forscher haben herausgefunden, dass Mäuse trotz einem so genannten "Treue-Gen" nicht unbedingt Lust auf eine feste Zweier-Beziehung haben. Damit widerlegen die Forscher bisherige Vermutungen.

Die Populationsgenetiker um Gerald Heckel vom Zoologischen Institut der Universität Bern fanden heraus, dass auch Mäuse mit einem "Treue-Gen" polygam leben. Die Erbanlage entfalte nicht überall seine Wirkung, hieß es dazu in einer Mitteilung der Universität Bern.

Bisherige Erkenntnisse ...

Frühere Forschungsergebnisse zeigten, dass bei der Momogamie der Rezeptor für das Hormon Arginin-Vasopressin im Gehirn von Säugetieren eine wichtige Rolle spielt. Amerikanische Forscher untersuchten diesbezüglich vier nahe verwandte Wühlmausarten.

Die monogam lebenden Mäuse wiesen deutlich mehr Rezeptoren für Vasopressin auf als Mäuse ohne feste Paarbindungen. Bei der Isolierung des Gens, das für die Herstellung der Rezeptoren verantwortlich ist, konnten die Forscher bei monogamen und polygamen Mäusen Unterschiede feststellen. Als die Genvariante von monogamen Mäusen in das Gehirn von polygam lebenden Mäusen eingeschleust wurde, reagierten diese mit verstärkter Paarbildung.

... nun relativiert

Daraus wurde geschlossen, dass soziale Verhaltensmuster auf einem einzigen Gen beruhen. Die Berner Forscher analysierten nun 25 Mausarten und entdeckten die monogame Variante des "Treue-Gens" in fast allen untersuchten Tierarten. Dennoch leben fast alle Arten polygam.

Ein allgemeiner Zusammenhang zwischen der natürlichen Veränderung eines einzelnen Gens und dem Paarungsverhalten lasse sich deshalb nicht feststellen, kommt Berner Studie zum Schluss. Die Studie wurde jetzt in den "Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States" (PNAS) publiziert. (APA/sda)

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