Robbie Williams zensiert Bildjournalisten

26. Juli 2006, 12:59
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Deutsche Nachrichtenagenturen verzichten auf Berichterstattung - Er will nur "gute Bilder" von sich in der Presse sehen

AFP, AP, ddp und dpa verzichten auf die Wortberichterstattung der Deutschlandtournee von Robbie Williams. Zuvor haben die Tourveranstalter des britischen Popstars die Bildjournalisten der Nachrichtenagenturen von den Konzerten ausgeschlossen. "Nach Knebelverträgen ist dieser Ausschluss von Fotografen nun der nächste Versuch, die freie Berichterstattung über Robbie Williams zu verhindern", kritisiert Michael Konken, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalistenverbands (DJV), das Vorgehen der Tourmanager.

"Möglichst vorteilshaft"

"Die Künstleragenturen versuchen so Einfluss darauf zu nehmen, auf welche Weise ihre Klienten fotografiert werden. Man will sie wohl möglichst vorteilhaft herüber bringen", vermutet Hendrik Zörner, Sprecher des DJV, die Motive hinter diesem pressefeindlichen Verhalten. Seit über zwei Jahren sei das Thema am Kochen, sagt Justus Demmer, Sprecher der dpa, gegenüber pressetext. Mit den Knebelverträgen würden die Journalisten etwa gezwungen das für die Veröffentlichung bestimmte Bildmaterial von den Künstleragenturen vorher freigeben zu lassen. Auch die Bestimmung, das Bildmaterial nach 90 Tagen zu vernichten soll vorkommen. Die krasseste Variante solcher Verträge beinhalte eine Klausel, in der die Fotografen das Bildmaterial der Künstleragentur kostenlos zur Verfügung stellen müssten, so Zörner. Die Manager griffen mit solchen Mitteln massiv in die Pressefreiheit ein, betont Demmer.

Nachrichtenagenturen verzichten auf Berichterstattung

Die Nachrichtenagenturen verzichten nicht zum ersten Mal auf die Wortbildberichterstattung von Musik-Top-Acts. Schon 2003 verärgerten Peter Gabriel und Bob Dylan mit diesen Methoden die Journalisten. Auch im vergangenen Jahr verzichtete dpa zusammen mit AP und ddp freiwillig auf die Berichterstattung der Robbie-Williams-Tournee sowie auf die von Destiny's Child. Sie wollten die rechtswidrigen Vertragsbedingungen nicht akzeptieren. Die Vertragsformulierungen stammen in der Regel aus den USA, daher betreffen die Boykotts meist Künstler aus den USA. In Deutschland sind solche Verträge zwar rechtswidrig, es sei jedoch kaum möglich rechtlich dagegen vorzugehen, so Zörner.

Journalisten von Musikmagazinen sind von solchen Knebelverträgen ebenfalls betroffen. Für diese Medien sind jedoch viele freie Journalisten im Einsatz, die solche Verträge notgedrungen unterschreiben. Sie können es sich kaum erlauben ein Boykott zu unterstützen. Demmer befürchtet, dass sich das Problem in Zukunft weiter verschärfen werde und die Versuche der Musiker bzw. ihrer Manager, in die Pressefreiheit einzugreifen, massiver werden könnten. (pte)

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