Hundstorfer gegen Husch-Pfusch-Verkauf - 50 Interessenten

20. Juli 2006, 12:28
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ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer widerspricht Berichten, wonach der ÖGB noch vor der Wahl verkaufen wolle

Wien - Das so genannte Informations-Memorandum der BAWAG für den Verkauf der Bank wird an 50 Interessenten verschickt. Der "Kurier" (Donnerstagausgabe) nennt neben bisher bekannten Interessenten aus Österreich und dem Ausland auch neue Namen: So ein Austro-Konsortium unter (unbestätigter) Koordination des scheidenden RHI-Chefs Helmut Draxler. Auch Intesa und Generali sollen mittlerweile ein Konsortium gebildet haben. Der ÖGB macht indessen Dampf beim Verkauf.

"Wunschdenken"

Unter Berufung auf Gewerkschaftskreise hieß es, dass man sogar einen Verkauf noch vor der Wahl anpeile. Für den ÖGB wäre das günstig, so der "Kurier", in Bankenkreisen wird das als Wunschdenken abgetan. Ein Käuferkonsortium müsste zuerst die US-Gläubiger "auskaufen", die laut Vergleich Anspruch auf einen Mehrerlös aus dem BAWAG-Verkauf haben, was rund 150 Mio. Dollar kosten könnte.

Gegen einen Verkauf der BAWAG vor den Nationalratswahlen am 1. Oktober hat sich indes heute ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer ausgesprochen. "Wenn man einen Husch-Pfusch-Verkauf macht, ist es möglich. Wenn man es seriös macht und in wirtschaftlich optimaler Form versucht zu verkaufen, halte ich diesen Termin nicht für möglich", sagte Hundstorfer. Seine Präferenz sei ein Verkauf der BAWAG zu einem späteren Termin, so der ÖGB-Chef. "Ich brauche einen optimalen Preis."

Zerschlagungsszenarien wurden zuletzt nicht mehr gewälzt. Gegenüber der APA war am Mittwoch davon die Rede, dass sich die große Konkurrenz akute Hoffnungen auf den Staatszahlungsverkehr macht, der mit der Postsparkasse in die BAWAG P.S.K. gekommen war und der nach dem Verkauf neu vergeben werden dürfte. Dem Vernehmen nach seien Verhandlungen dazu bereits ziemlich weit. Da gebe es zumindest eine große rein österreichische Bankengruppe, die sich dafür besonders interessiert, heißt es in informierten Kreisen.

BA-CA holt sich Unterlagen

Erich Hampel, der Chef der Bank Austria Creditantalt (BA-CA), bestätigte am Mittwoch, dass sich seine Gruppe diese Woche das Informationsmemorandum über die BAWAG abholen und die Verkaufsunterlagen sehr genau studieren werde. Alles weitere hänge vom Inhalt dieses Memorandums und vom konkreten Verkaufsverfahren ab. Kartellfragen wären im Fall von BA-CA und BAWAG freilich zu klären, allerdings stünden andere Institute in Österreich vor solchen Fragen auch, relativierte BA-CA-Generaldirektor Erich Hampel am Mittwoch.

Konkret beschafft sich die M&A-Abteilung der Mailänder Bank Austria-Mutter UniCredit namens der BA-CA die erste Verkaufsunterlage über die BAWAG, heißt es in der Bank.

Bawag: Versendung "Mitte Juli"

Nach bisherigen Informationen wird erwartet, dass mit der Versendung des so genannten "Teasers" durch das Investmenthaus Morgan Stanley am 14. Juli begonnen wird. In der BAWAG hieß es dazu zur APA nur, "wir bestätigen, dass die Aussendung des Teasers Mitte Juli erfolgt". Weitere Details könne die Bank ab jetzt in Absprache mit der den Verkaufsprozess begleitenden Investmentbank nicht mehr nennen. Also auch keine Einzelheiten aus dem aktuellen Verkaufsprozess.

Vorige Woche hatte Hampel in München bekundet, echtes Interesse an der BAWAG zu haben, sich also nicht nur für das Info-Memorandum zu interessieren. (APA)

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