Fitnesscheck für Informationsflüsse

18. Juli 2006, 20:13
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In Hagenberg wurde ein neues Tool für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung gebaut

"Die richtigen IT-Entscheidungen zu treffen, wird für die IT-Verantwortlichen immer schwieriger. Fehlentscheidungen sind mit hohen Kosten verbunden. Zugleich hat die Einführung neuer IT-Systeme oft Auswirkungen auf die Arbeitsabläufe. Deshalb müssen IT und Geschäftsprozesse gemeinsam betrachtet werden", sagt Peter Regner. Sein Kollege Thomas Wiesinger ergänzt: "Alle Entscheidungen müssen sich zudem an der Strategie des Unternehmens orientieren."

Regner und Wiesinger leiten den Bereich Informationsmanagement der FAW GmbH im Softwarepark Hagenberg. "Background der IT-Unternehmensberatung ist unsere universitäre Grundlagenforschung und Lehre", sagt Knud Steiner, Assistent der Geschäftsführung der FAW GmbH. FAW bedeutet "Für Anwendungsorientierte Wissensverarbeitung" und steht für die Absicht, universitäres Wissen in die Wirtschaft und zurückzutransferieren. Das Wissen aus der Unternehmensberatung fließt dabei wieder in die universitäre Lehre.

Unternehmen beraten

Neben Forschung und Beratertätigkeit halten Regner und Wiesinger Vorlesungen und Seminare an der Universität Linz. Die universitären Informationsmanager beraten Unternehmen bei der Konzeption ihrer IT-Strategie und IT-Architektur. "Wir begleiten sie bei neuen Projekten etwa bei der Auswahl und Einführung neuer IT-Systeme und bieten ihnen IT-Controlling an", sagt Wiesinger. "Ähnlich einem Fitnesscheck evaluieren wir die IT und die Geschäftsprozesse - wie es in den Unternehmen läuft, und wo es krankt."

Ein umfangreiches Projekt dieser Art schloss die FAW gerade bei einer deutschen Tochter der Voestalpine ab. Was für große Unternehmen gilt, gilt genauso für kleine. So halfen die Wissenschafter der mittelständischen Pfahnl Backmittel GmbH in Pregarten mit ihrer produkt- und herstellerneutralen Beratung bei der Auswahl eines auf die Prozesse des gesamten Unternehmens abgestimmten ERP-(Enterprise Resource Planning)-Systems. ERP-Systeme sind komplexe Anwendungen, die Abläufe in Unternehmen, vom Einkauf über die Produktion bis zum Vertrieb, unterstützen. "Die Auswahl eines geeigneten Systems ist bei der Vielzahl von Anbietern und den individuellen Anforderungen nicht einfach.

Basis für eine effiziente Auswahl und Einführung bilden die Geschäftsprozesse, die entsprechend dokumentiert als Pflichtenheft dienen und darüber hinaus zum wichtigsten Kommunikationsmittel der Beteiligten werden", sagt Regner. Was für ERP-Systeme gilt, gilt in ähnlicher Form auch für die Entwicklung von Individualsoftware.

"Die Ableitung von Anwendungen aus den Geschäftsprozessen ist eine der großen Herausforderungen der nächsten Jahre", so Regner. Jedoch lässt sich dieses "Ableiten" nur bis zu einem bestimmten Grad automatisieren. Gemeinsam mit der AMS Engineering GmbH in Hagenberg betreibt das FAW, gefördert durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG, praxisorientierte Forschung in diesem Bereich. Um in Zukunft noch effizienter beraten können, arbeiten die Mitarbeiter des Instituts zudem an einem neuen Modellierungswerkzeug, mit dem sich die Verbindungen zwischen den Unternehmensprozessen und der IT-Architektur besser aufzeigen und analysieren lassen, verspricht Wiesinger.

Prozesse abbilden

Mit der Ende dieses Jahres fertig gestellten Software AMW-mdi (Adaptives Modellierungswerkzeug für Metamodelle und deren Instanzen) können IT-Manager ihre Geschäftsprozesse und deren IT-Unterstützung sowie die dazugehörigen IT-Architekturen dokumentieren.

Als Voraussetzung für ihre IT-Entscheidungen können sie mithilfe des Tools maßgeschneiderte Modelle ihrer Unternehmen anfertigen und diese bei Veränderungen sehr leicht anpassen. (Johannes Klostermeier/DER STANDARD, Printausgabe, 12. Juli 2006)

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