Kleine Länder haben es mit vereinten Kräften leichter

18. Juli 2006, 20:13
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E-Government-Experte Georg Aichholzer im STANDARD-Interview über Österreichs Amtswegdigitalisierung

STANDARD: Wie aussagekräftig ist der Europameistertitel im E-Government für Österreich?

Aichholzer: In diesen sportbegeisterten Zeiten blühen auch Benchmarking und Ranking. Man darf aber nicht vergessen, dass die Daten der jüngsten Studie der EU-Kommission hoch aggregiert sind, Durchschnittswerte errechnet wurden und so weiter. Aber im Trend treffen die Ergebnisse zu.

STANDARD: Wieso ist Österreich so erfolgreich?

Aichholzer: E-Government wird schon seit Jahren von der Politik durch entsprechende Ressourcenzuteilung und eigens geschaffene Stabs- und Koordinationsstellen bzw. Einrichtungen wie die der Plattform Digitales Österreich stark gefördert. Dass sich die verschiedenen Verwaltungsebenen, Bund, Länder, Gemeinden, abstimmen, lässt sich nicht anordnen. Hier gibt es nicht zuletzt aus der Sozialpartnerschaft eine lange Kooperationstradition. Und schließlich haben es kleine Länder bei Vergleichen leichter, da sich E-Government schneller umsetzten lässt.

STANDARD: Spielen Ausbildung und Berufsstand bei der Nutzung eine Rolle?

Aichholzer: Digital Divide gibt es. Die größten Differenzen bestehen bei den anspruchsvolleren Nutzungen: Im Schnitt füllen bereits 20 Prozent aller Internetnutzer Formulare online aus und senden sie auch ein. Darunter sind aber kaum welche mit fehlendem Pflichtschulabschluss oder nicht Berufstätige.

STANDARD: Können die neuen Medien auch die politische Beteiligung der Bürger fördern?

Aichholzer: Wie unser EU-Projekt DEMOnet zeigt, kommt elektronische Partizipation hier zu Lande noch zu kurz. Im Parlament gibt es aber bereits Überlegungen, elektronische Petitionen zu ermöglichen. Denkbar wären auch Online-Debatten und Konsultationen. So könnte man nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch Transparenz schaffen. (hoco/DER STANDARD, Printausgabe, 12. Juli 2006)

Zur Person:

Georg Aichholzer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Technikfolgen- Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
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