Schwanger trotz Erkrankung

12. Juli 2006, 11:38
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Heilungschancen von Patientinnen und Rückfallrisiko würden laut ExpertInnen nicht negativ beeinflusst - zweijährige Wartezeit wird dennoch angeraten

Karlsruhe - Durch eine Schwangerschaft werden die Heilungschancen von Brustkrebspatientinnen und das Rückfallrisiko nicht negativ beeinflusst, so ExpertInnen der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie. Dennoch raten Ärzte und Ärztinnen, nach der Therapie mindestens zwei Jahre zu warten, da in dieser Zeit das Rückfallrisiko am höchsten ist. "Die generelle Empfehlung überhaupt nicht mehr schwanger zu werden, ist überholt", so Beatrix Hültenschmidt, Oberärztin für Strahlentherapie am Klinikum Karlsruhe.

Messung des Hormonrezptorstatus

Für jede Frau, bei der Brustkrebs prognostiziert und behandelt wird, muss im Anschluss ein individuell prognostisches Muster für eine Schwangerschaft geschrieben werden, wo Alter, Risikofaktoren und Dringlichkeit des Kinderwunsches berücksichtig werden. Eine Beratung sei sehr wichtig, erklärt Hültenschmidt. Wie lange eine Frau warten sollte, bevor sie schwanger wird, ist abhängig vom Hormonrezptorstatus. Bei der Messung des Hormonrezptorstatus wird ermittelt, ob der Tumor Hormonrezeptoren hat und damit empfänglich für die weiblichen Geschlechtshormone ist. Während einer Schwangerschaft ist der Spiegel der weiblichen Geschlechtshormone hoch. Dadurch kann das Tumorwachstum durch die Bindung von Hormonrezeptoren gefördert werden. Das Wachstum eines hormonempfindlichen Tumors kann mit einer antihormonellen Behandlung gebremst werden. In dieser Zeit ist eine Schwangerschaft dringend zu vermeiden. Nach Abschluss der fünfjährigen Anti-Hormontherapie kann die Betroffene entsprechend ihres Risikoprofils versuchen, schwanger zu werden, so Hültenschmidt.

Thema von zunehmender Bedeutung

Brustkrebs ist meistens eine Erkrankung der älteren Frauen über 50. Zunehmend sind aber auch jüngere Frauen betroffen. Der Prozentsatz bei Frauen unter 50 steigt vor allem durch die Früherkennung mit modernen Untersuchungsmethoden wie dem Screening. Zehn bis zwanzig Prozent aller Brustkrebserkrankungen treten bei Frauen im gebärfähigen Alter auf. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes werden Frauen heute aber erst im Alter von durchschnittlich 29,8 Jahren erstmals schwanger. Die Frage einer Schwangerschaft nach der Brustkrebstherapie gewinnt daher zunehmend an Bedeutung, da viele Frauen zum Zeitpunkt der Diagnose ihrer Erkrankung die Familienplanung noch nicht abgeschlossen haben. (pte)

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    Das Wachstum eines hormonempfindlichen Tumors kann mit einer antihormonellen Behandlung gebremst werden - in dieser Zeit ist eine Schwangerschaft dringend zu vermeiden.
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