Rosneft weist selbst auf Risiko vor eigenem Börsengang hin

17. Juli 2006, 17:39
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Am Freitag geht russischer Ölkonzern Rosneft an die Börse - Aktien bereits überzeichnet

Kurz hatte es ausgesehen, als ob der Termin vor dem G-8-Gipfel nicht zu halten sein würde und der Handel frühestens Mitte nächster Woche beginnen könnte. Rosneft-Sprecher Nikolaj Manvelov versicherte am Mittwoch jedoch, dass „alles plangemäß abläuft“. Der britische Finanzregulator FSA hätte einen Strich durch die Rechnung machen können. Die Ölgesellschaft Yukos hatte sich an ihn mit dem Ersuchen gewendet, den Börsengang aufzuhalten.

Der Fall Yukos trübte den Börsengang von Anfang an. Die staatliche Rosneft nämlich war der größte Nutznießer der Filetierung des Yukos-Konzerns, indem sie dessen größten Förderbetrieb Yuganskneftegas vor eineinhalb Jahren zum Schleuderpreis erhielt und so die eigene Fördermenge verdreifachte. Überhaupt gilt als offenes Geheimnis, dass Rosnefts Aufsichtsratschef Igor Setschin (gleichzeitig Vizeadministrationschef im Kreml) und Vorstandschef Sergej Bogdantschikow hinter dem Yukos-Skandal stehen.

Soros: Aktienkauf "moralisch verwerflich"

Ein „Verbrechen am russischen Staat und an den Menschen” nannte Wladimir Putins Ex-Wirtschaftsberater Andrej Illarionov daher den Börsengang. Da amerikanische Yukos-Aktionäre schätzungsweise sechs Milliarden Dollar verloren haben, brachten US-Anwälte bereits Sammelklagen ein. Nicht nur riskant, auch moralisch verwerflich sei ein Kauf von Rosneft-Aktien, warnte Börsenspekulant George Soros.

An der Emission wird dies nichts ändern. Am Dienstag hat der Finanzregulator FSA Yukos informiert, dass man den Börsengang gestatten werde. Insgesamt 14,3 Prozent der Aktien werden zum Preis von 5,85 bis 7,85 Dollar ausgegeben, ursprünglich waren bis zu 49 Prozent kolportiert worden. Die Gesamtemission hat ein Volumen von 11,6 Mrd. Dollar (9,11 Mrd. Euro). Mit dem Erlös soll vor allem ein 8,5 Milliarden Dollar umfassender Kredit der Muttergesellschaft Rosneftegas, der seinerzeit zur Konsolidierung der Gasprom-Mehrheit in Staatshand aufgenommen worden war, getilgt werden. Die restlichen 85 Prozent bleiben in Staatshand. Bemerkenswerterweise hat Rosneft selbst im Emissionsprospekt auf die Risiken eines politischen Einflusses und auf generelle Geschäftsrisiken in Russland hingewiesen.

Enormer Ansturm

Hat dies anfänglich potentielle Käufer hellhörig gemacht, so war der Ansturm während der Zeichnungsfrist, die am Mittwoch endete, enorm. Da das Papier überzeichnet war, wurden die Orderbücher einen Tag früher als geplant am Mittwochabend geschlossen, meldete die russische Agentur Itar-Tass unter Berufung auf die Konsortialbanken. In russischen Banken standen die Menschen Schlange, um erstmals nach den Betrugstraumata mit Vouchern Anfang der 90-er Jahre wieder Volksaktien zum Vorzugspreis zu erwerben. Rosneft hatte im Umfeld von TV-Nachrichtensendungen nachdrücklich für das Projekt geworben.

Offen ist die Frage, ob sich internationale Investoren einkaufen, zumal die Obergrenze bei zwei Prozent Aktien liegt. Schnell da waren die indische ONGC, die malaysische Pe_tronas und die chinesische CNPC. Auch Royal Dutch/Shell bekundete die Absicht. Auch BP habe sich entschlossen, als strategische Investition für etwa eine Milliarde Dollar Rosneft-Aktien zu erwerben, hieß es. (Eduard Steiner, DER STANDARD Printausgabe, 13.07.2006)

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