Moskau rechnet nach Tod Bassajews mit Beruhigung im Nordkaukasus

11. Juli 2006, 21:38
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Menschenrechtler: Lage in Tschetschenien wird sich nicht verbessern

Moskau - Nach dem Tod des tschetschenischen Terroristenführers Schamil Bassajew erwartet die russische Führung ein Nachlassen der Anschläge im Nordkaukasus. "Der Wiederaufbau eines friedlichen Lebens im leidgeprüften Tschetschenien kann jetzt besser vorangehen", sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow am Dienstag in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny. Der Kampf gegen die verbliebenen Reste des tschetschenischen Untergrunds werde fortgesetzt, kündigte Iwanow an.

Bassajew war nach offiziellen Angaben in der Nacht zum Montag in der Teilrepublik Inguschetien getötet worden, als eine Sprengstoffladung auf seinem Lastwagen explodierte. Der 41-jährige Tschetschene galt in Russland als Drahtzieher der schwersten Terroranschläge der letzten Jahre. Er hatte sich auch zu der Geiselnahme in der Schule von Beslan 2004 mit 331 Todesopfern bekannt.

"Die Anti-Terror-Operation im Nordkaukasus ist in ihrer Endphase", sagte der russische Ex-Generalstabschef Waleri Manilow. Russische Menschenrechtler warnten dagegen, dass die Ausschaltung Bassajews die schwierige Lage im Nordkaukasus nicht verbessern werde. "Vielleicht wird es weniger schwere Terrorakte geben, hinter denen in den letzten Jahren immer Bassajew stand", sagte Ljudmila Alexejewa, die Vorsitzende der Moskauer Helsinki-Gruppe. "Aber auf die Lage in Tschetschenien hat das keinen Einfluss."

Angaben über angeblichen Geheimdienst-Zugriff blieben widersprüchlich

Die Angaben über den angeblichen Geheimdienst-Zugriff, bei dem Bassajew getötet wurde, blieben widersprüchlich. Der russische Fernsehsender ORT berichtete, ein gezielter Raketenangriff habe die Detonation der Sprengstoffvorräte ausgelöst. Nach anderen Berichten gelang es Agenten, das Waffenarsenal auf dem Lastwagen fernzuzünden.

Die Moskauer Zeitung "Kommersant" bezweifelte generell die Version einer sorgfältig geplanten Geheimdienstoperation. Bassajew habe die Explosion durch Unvorsichtigkeit selbst ausgelöst, berichtete das Blatt unter Berufung auf inguschetische Polizisten vor Ort.

Seit März 2005 haben russische Sicherheitskräfte den 1996 frei gewählten Präsidenten Tschetscheniens, Aslan Maschadow, dessen Nachfolger Abdul-Chalim Sadulajew und jetzt Bassajew getötet. Daneben wurden viele Rebellen durch Amnestiezusagen oder durch Druck auf die Familien aus den Bergen geholt. Der letzte verbliebene Untergrundführer Doku Umarow verfügt nach Einschätzung russischer Sicherheitskreise über viel weniger Einfluss als Bassajew. (APA/dpa)

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