"Wehrhaftigkeit"-Museum am Bergisel

13. Juli 2006, 09:12
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Verwirrung um Projekt der Tiroler Landesregierung zum Andreas-Hofer-Gedenkjahr 2009

Innsbruck - Ein Museum der Traditionskultur Tirols in Verbindung mit der Geschichte des Bergisels kündigte am Dienstag Landeshauptmann Herwig van Staa (VP) als Beitrag zum Andreas-Hofer-Gedenkjahr 2009 an. Dabei solle es weder um eine Verherrlichung Hofers gehen, noch um eine Beschränkung auf militärische Aspekte, sondern um die "Realisierung eines zukunftsweisenden Projekts".

Ideenwettbewerb

Dazu hat die Landesregierung einen zweistufigen Architekten- und Ideenwettbewerb ausgeschrieben. Zu prüfen sei, wie das bestehende Kaiserschützenmuseum am Bergisel adaptiert und erweitert werden kann und ob das am anderen Ende der Stadt stehende Riesenrundgemälde (ein 100 Jahre altes Panoramabild einer Bergiselschlacht von 1809) in das neue Museum integriert werden kann.

In Nachbarschaft zur Sprungschanze nannte van Staa als weitere Optionen für das Museum die Darstellung der beiden olympischen Winterspiele und des prähistorischen Geschehens am Bergisel. Als Kostenrahmen habe die Landesregierung sieben Millionen Euro festgelegt, betont van Staa. Damit war auch Koalitionspartner Hannes Gschwentner (SP) einverstanden, dem kolportierte 15 Millionen zu viel gewesen wären.

Tatsächlich wird zumindest diese Summe ausgegeben, sie enthalte auch die in Gang befindliche Renovierung von Hofkirche und Volkskunstmuseum, stellte van Staa klar.

"Lassen Sie sich überraschen"

Zuvor hatten die Grünen aus einem Brief der Landesregierung an den Innsbrucker Bauausschuss zitiert, in dem das Projekt den Titel "Gedenkstätte der Tiroler Wehrhaftigkeit" trägt und inhaltlich mit "vom Landlibell 1511 bis zu den beiden Weltkriegen" sehr militärisch orientiert umrissen wird. Van Staa wolle sich selbst ein Denkmal setzen, resümiert Stadträtin Uschi Schwarzl (Grüne) und verlangt "die Geldverschwendung zu stoppen". Die "Wehrhaftigkeit" sei nur ein Arbeitstitel gewesen, stellte van Staa klar und die Inhalte des Museums würden nicht von der Regierung, sondern von Experten festgelegt werden: "Lassen sie sich überraschen, was dabei herauskommt."

Mündliches Konzept

Wenig später schickt das Land eine Presseaussendung aus, in der van Staa mit der Formel "vom Landlibell bis zu den Weltkriegen" zitiert wird. Auf Nachfrage erklärt sein Pressesprecher, dass dem Landeshauptmann eine Formulierung aus dem Regierungsantrag "in den Mund gelegt wurde". Ob sich nun van Staas mündlich vorgetragenes, von Experten zu prägendes offenes Konzept oder jenes von van Staas Regierungsantrag (der den Medien nicht vorgelegt wurde) durchsetzt, wird sich weisen. In Tirol dürfte damit nach der Debatte um die Landeshymne 2004 erneut eine Auseinandersetzung um die Andreas-Hofer-Rezeption begonnen haben. (hs, DER STANDARD Printausgabe, 12.07.2006)

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