Präsidentin mit plakativem Problem

11. Juli 2006, 20:41
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Martina Fasslabend verteidigt das Plakat der Kinderschutzorganisation möwe, ohne die Kritik gelassen zu nehmen

Wenn eine Werbekampagne noch vor ihrer Platzierung für Diskussionen sorgt, gilt sie im Allgemeinen als gelungen. So gesehen hat Martina Fasslabend, Präsidentin der Kinderschutzorganisation möwe, einen Coup gelandet. Doch der Preis für das umstrittene Werbesujet einer Kinder-Sexpuppe ist hoch: Von fachlicher Seite hagelt es mehr negative als positive Kritik, einer der bekanntesten möwe-Unterstützer, der Kinderpsychiater Max Friedrich, legte aus Protest seine Vereinsfunktionen nieder. Nun droht noch eine Strafanzeige gegen die Verantwortlichen der Kampagne.

Martina Fasslabend verteidigt die Kampagne, sie nimmt aber die Kritik nicht gelassen, dazu liegen ihr die möwe und die Hilfe für Opfer sexueller Gewalt viel zu sehr am Herzen. Seit 16 Jahren engagiert sich die Gattin des ÖVP-Abgeordneten und früheren Verteidigungsministers Werner Fasslabend für die Kinderschutzorganisation, seit elf Jahren ist sie auch deren Präsidentin.

"Man hat mich gefragt, ob ich das übernehmen will und ich hab sofort zugesagt", erinnert sich die Mutter einer Tochter und eines Sohnes. Auch wenn sie am Anfang noch Probleme mit dem Vereinsnamen hatte, "er hat mich ein wenig an einen Ornithologenverein erinnert", gesteht Fasslabend. Doch die Genese des Namens hat sie schließlich versöhnt. Die möwe hat ihren Namen von Richard Bachs Buch "Jonathan Livingston Seagull", zu deutsch "Die Möwe Jonathan", das später auch zur Musik von Neil Diamond verfilmt wurde.

Kinder und Jugendliche beschäftigen Martina Fasslabend auch beruflich, als Hauptschullehrerin in Marchegg in Niederösterreich, wo sie Englisch und Sport unterrichtet.

Ihre ehrenamtliche Tätigkeit als möwe-Präsidentin lässt keine Zeit für Hobbys. "Ich bin ein Arbeitstier und auch ein bisschen eine Weltverbesserin", beschreibt sie sich selbst. In zahlreichen Gazetten und Gesellschaftskolumnen ist sie nur mehr die "Charity-Lady", was Frau Fasslabend auch nicht weiter stört. "Ich bin froh, dass ich meine Bekanntheit für den guten Zweck einsetzen kann."Bei der möwe gibt es freilich noch viele andere prominente Namen - nicht nur, aber besonders aus der ÖVP: Die Wiener VP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec ist Vizepräsidentin, Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat hat den Ehrenschutz inne, VP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirates.

Auch vier der fünf möwe-Kinderschutzzentren liegen, wenn man die politische Landkarte betrachtet, in schwarzem Gebiet, nämlich in Niederösterreich. Die fünfte Anlaufstelle für Opfer sexueller Gewalt befindet sich in Wien. Insgesamt sind bei der möwe mehr als 30 Psychologinnen und Psychotherapeutinnen im Einsatz, jährlich werden 3000 Klienten betreut. (Michael Simoner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.7. 2006)

  • Martina Fasslabend, Präsidentin der Kinderschutz-organisation möwe.
    foto: standard/hendrich
    Martina Fasslabend, Präsidentin der Kinderschutz-
    organisation möwe.
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