Viele Pillen landen im Müll

12. Juli 2006, 11:22
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Gesundheitskosten werden bewusst: Ärtze verschreiben eher Generika - Hauptverband für kleinere Packungen

Wien - 37 Prozent der Ärzte sehen es inzwischen als eine ihrer Aufgaben an, Preisvergleiche bei Medikamenten anzustellen, um die Kosten im Gesundheitswesen zu senken. Bei gleicher Verfügbarkeit verschreiben die Mediziner zu 54 Prozent "eher"oder "ganz sicher"die preisgünstigeren Generika anstatt der teureren Markenprodukte der Pharma-Industrie. Im Jahr 2000 waren dazu erst 33 Prozent bereit. Stets oder fast immer zur Markenmedizin greifen nur 22 Prozent der Ärzte (2000 waren es noch 31 Prozent).

Das geht aus einer am Dienstag vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger vorgestellten Fessel-Studie hervor. Befragt wurden dafür Ärzte und Patienten, in beiden Gruppen ist das Kostenbewusstsein gestiegen.

Die schriftliche Befragung von 3700 Patienten zeigt aber auch auf, dass nur vier von zehn Medikamentenpackungen aufgebraucht werden. Hier könnte noch ein Einsparungspotenzial schlummern.

Fessel-Studienleiterin Astrid Eßl fand heraus, dass nur eine Minderheit von 39 Prozent der Österreicher überhaupt keine Medikamente einnimmt. 56 Prozent nahmen innerhalb eines Monats zumindest eine Arznei ein, wobei der Medikamentenverbrauch mit dem Alter rasant ansteigt. Von den Medikamentennutzern wiederum nahmen lediglich 64 Prozent die Arznei genau nach Vorschrift ein, 27 Prozent versuchen so wenige Medikamente und diese so kurz wie möglich einzunehmen. Sieben Prozent der Patienten versuchen überhaupt, weniger Medikamente einzunehmen als vom Arzt verordnet.

Generaldirektor Josef Kandlhofer vom Hauptverband nimmt die Zahl der nicht aufgebrauchten Medikamentenpackungen als Grundlage für Verhandlungen über die Einführung kleinerer Medikamentenpackungen. Insgesamt sieht er aber einen positiven Trend im Kostenbewusstsein, die gestiegene Akzeptanz von Generika sei "beeindruckend". (APA)

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    foto: derstandard.at/lichtl
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