Dreimal mehr für TV-Rechte

11. Juli 2006, 18:38
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Wer zeigt die EURO 2008? Die Entscheidung drängt bereits, doch der Vermarkter pokert hoch

Geht es nach dem Vermarkter Sportfive, wird die Fußball-EM 2008 für den ORF merklich teurer als die Weltmeisterschaft. Doch wie die deutschen und Schweizer Anstalten weigert sich der Küniglberg, so viel zu zahlen.

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Wien - Einen "knapp zweistelligen Millionenbetrag" ließ sich der ORF die gerade beendete Fußballweltmeisterschaft kosten. Als einzige deutschsprachige Anstalt abseits des Pay-TV durfte er dafür alle 64 Spiele live übertragen. Bei der Europameisterschaft 2008 könnte das Fernsehvergnügen deutlich teurer ausfallen.

18 Millionen Euro fordert Vermarkter Sportfive vom ORF, berichtet ein Insider dem Standard: "Sie versuchen, den Markt sehr auszureizen."Für Portugal 2004 zahlte er noch 5,1 Millionen Euro.

Das Zehnfache schwebt Sportfive für Deutschland vor. Dort versuchte der Vermarkter es mit einer etwas überhastet wirkenden Ausschreibung, die nur zwei Wochen Zeit für Gebote ließ. Mageres Ergebnis: Nur ARD und ZDF boten gemeinsam. Mit rund 90 Millionen wollen sie nur die Hälfte des Sportfive-Ziels auslegen. Spielraum lassen sie bis 115 Millionen, so viel wie der deutsche Anteil zum Gebot der EBU für die EURO-Fernsehrechte.

Die EBU ist die europäische Vereinigung öffentlich-rechtlicher Anstalten. Sie wollte für die EM-Rechte insgesamt 580 Millionen Euro locker machen, doch Sportfive versprach dem Fußballverband UEFA deutlich höhere Erlöse und machte das Rennen.

Jetzt wird es eng für Sportfive: Wegen des mageren Zuspruchs stoppte sie die Ausschreibung in Deutschland. Und die TV-Sender der Austragungsländer Österreich und Schweiz setzen auf Zeit, die für Sportfive drängt.

Denn noch ist nicht einmal geklärt, wer die Produktion der TV-Bilder (Host Broadcaster) übernimmt. Der ORF "würde, wir müssen aber nicht", heißt es intern auf dem Küniglberg. Aber: "Zwei Jahre davor müsste die Infrastruktur dafür schon weiter sein."Mögliche Alternative: HSB, die zuletzt die WM abwickelte.

Bis Herbst sollten die Entscheidungen fallen. Bei einer EM auf österreichischem Boden kann auch der ORF nicht so lange pokern wie bei der WM in Südkorea: Da stand der - sehr günstige - Vertrag erst eine Woche vor Anpfiff. (DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 12. Juli 2006, Harald Fidler)

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