Kaprun-Unglück: Liebscher will mehr Geld aufstellen

13. Juli 2006, 09:11
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Einzelforderungen der Hinterbliebenen reichen bis in zweistellige Millionenhöhen - Fagan stellt Ultimatum

Wien - Nationalbank-Gouverneur Klaus Liebscher wird sich in seiner Funktion als Vorsitzender der Kaprun-Vermittlungskommission in den kommenden Monaten bemühen, weitere Gelder zur Entschädigung für Opfer der Seilbahn-Katastrophe beziehungsweise deren Hinterbliebene aufzutreiben. "Es handelt sich um eine Bemühungszusage, das habe ich deutlich gesagt", sagte Liebscher nach der Sitzung der Kommission am Dienstag.

Starre Fronten

Im März hatte die Kommission bekannt gegeben, dass nach vorläufigem Stand insgesamt 16 Millionen Euro für Entschädigungszahlungen bereit stehen, internationaler Rechtsfriede vorausgesetzt. Im sachlichen Bereich habe man sich in einer Sitzung am Dienstag nicht sehr wesentlich weiter bewegt, berichtete Liebscher der APA. "Auf Grund der Komplexität des Falles ist die Situation schwierig. Die Vorstellungen über Kompensationszahlungen gehen auseinander.

"Einzelne Forderungen reichen bis in doppelstellige Millionenhöhen", sagte Liebscher. "Wir streben 'globale' Lösungen an. Ob es Teileinigungen beziehungsweise die Bereitschaft dazu gibt, kann und möchte ich nicht sagen."

Keine Aussage über Höhe der Zusatzmittel

Nicht äußern wollte sich Liebscher auch dazu, wie viel Geld er noch auftreiben will und wo er dies tun wird. "Ich möchte niemanden in die Auslage stellen, das habe ich auch in der Vergangenheit nicht getan. Und da waren wir ja erfolgreich", sagte der Vorsitzende der Kommission in Anspielung auf die zehn Millionen Euro, die das Gremium bis März zusätzlich zu den damals bereits fixen sechs Millionen aus Versicherungsgeldern für Betroffenen aufgetrieben hatte.

Bei der jüngsten Sitzung waren nicht, wie von US-Anwalt Ed Fagan angekündigt, mehr als 40 Opferangehörige und Überlebende vorstellig geworden, sondern laut Liebscher etwa 15 bis 20. Die Kommission habe den Betroffenen aus Japan, Deutschland, den Niederlanden und Österreich die Gelegenheit eingeräumt, Erklärungen abzugeben. Auch in vorangegangenen Sitzungen waren bereits einzelne Vertreter beziehungsweise Sprecher von Hinterbliebenen anwesend.

Fagan droht

Fagan drohte hingegen erneut: "Entweder es gibt bis 31. Dezember einen Deal oder wir sehen uns vor Gericht wieder", polterte der Anwalt am Dienstagnachmittag bei einer Pressekonferenz vor dem Justizpalast in Wien. "Wäre ich die Republik Österreich, hätte ich große Angst vor dem, was noch kommen könnte", so Fagan.

Ähnlich argumentierte auch der Innsbrucker Anwalt Ivo Greiter. Er sprach von "großem Verschulden der Republik Österreich". Die Hinterbliebenen wünschen Gerechtigkeit, ein Auseinanderdividieren dürfe nicht sein. "Für Kaprun fehlen entscheidende gesetzliche Bestimmungen. Schuld ist das Verkehrsministerium", betonte Greiter. Auch für ihn gilt: "Bis 31. Dezember sollte alles geregelt sein, sonst laufen die Prozesse mit voller Wucht an." (APA)

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