Seevögel jagen mit der "Nase"

16. Juli 2006, 13:00
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Albatrosse, Sturmvögel und Co verfügen über ein sehr feines Geruchsorgan - Duft von Phytoplankton als wichtiger Reiz

Wien - Nicht nur "Bruno", der arme Braunbär, dürfte im italienischen, bayrischen und Tiroler Wald Dank seines Geruchsorgans zielgenau Beute angesteuert haben - was ihm zum Verhängnis wurde. Albatrosse, Sturmvögel und andere große Seevögel spüren ihre Beute in den Weiten des Ozeans mit Hilfe ihres Geruchssinns auf.

Allerdings, jährlich wird rund 100.000 Seevögeln diese Fähigkeit, die sie zum Überleben brauchen, zum Verhängnis. Sie stürzen sich auch auf die Köder der Hochseefischer und gehen ihnen so ins Netz. Die Entdeckung, dass diese Vögel für die Nahrungssuche ihren Geruchssinn einsetzen, hilft möglicherweise Strategien zu entwickeln, die Tiere in Zukunft vor dem Tod im Fischernetz zu bewahren, sagte Dr. Gabrielle Nevitt von der University of California (Los Angeles) am vergangenen Dienstag beim Europäischen Hirnforscher-Kongress in Wien.

Geruch und Herzschlagrate

Gabrielle Nevitt erforschte Albatrosse, Sturmvögel und Sturmtaucher in ihrer natürlichen Umgebung in der Antarktis. Ihre Forschungsstation hatte sie mit ihren Kollegen in einer Hütte in der Nähe einer Vogelkolonie errichtet. Sie untersuchten, inwieweit Gerüche die Herzschlagrate der Vögel beeinflussen. Diese Studien gaben den Wissenschaftern Einblick, wie die Sinnesorgane der Tiere arbeiten und wie die Umwelt die Wahrnehmung und das Verhalten der Tiere beeinflusst.

Seevögel überfliegen riesige Wasserwüsten und halten Ausschau nach Krill- und Fischschwärmen. "Stellen Sie sich vor, Sie stehen an einem heißen Sommertag inmitten einer 160 Quadratkilometer großen Steppe und suchen Eis", erläuterte die Expertin. "Das Leben ihres Kindes hängt davon ab, dass Sie dieses Eis finden, bevor es geschmolzen ist. Mit solch einem ähnlich gelagerten Problem befassen wir uns", sagte sie.

Die Vögel sind beim Bewältigen dieser Aufgabe sehr viel besser als die Menschen, auch wenn diese über die modernsten Techniken verfügen. Die meisten Seevögel haben ein sehr großes und feines Geruchsorgan, mit dessen Hilfe sie ganz ausgezeichnet Gerüche aufspüren können. Der Mensch hat diese Fähigkeit mit seiner Nase nicht und ist auch nicht in der Lage, diese Fähigkeit der Vögel künstlich nachzuahmen.

Der Duft von Phytoplankton

Wie Gabrielle Nevitt herausfand, können Seevögel einen ganz bestimmten Geruch erkennen, den von Dimethyl-sulphid (DMS). DMS wird von pflanzlichem Plankton (Phytoplankton) produziert und diesem Geruch folgen Seevögel bei ihrer Nahrungssuche. Phytoplankton ist darüber hinaus unter anderem die Nahrung des Krill.

"Wir gehen davon aus, dass die Seevögel ihre Nahrungssuche über weite Entfernungen hinweg in zwei Schritten bewältigen. Zuerst lokalisieren sie mit Hilfe ihres Geruchssinns fischreiche Gewässer. Dort angekommen, suchen sie das Areal systematisch ab, und gehen dabei 'ihrer Nase nach' und nehmen unterschiedliche Gerüche, je nach Spezies, wahr", sagte die Expertin.

Über den Geruchssinn dürften sich aber auch Küken von Höhlenbrütern orientieren, die erstmals auf Jagd gehen. Ähnlich dürften Seevögel ihre Lebenspartner beim ersten Mal "sympathisch" und dann immer wieder finden. (APA)

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